»Wir müssen auf der Hut sein, mein Junge, sagte die Frau, und vorzüglich nicht an den Tag kommen lassen, daß der Hund Dir gehört, das fiele auf Dich zurück... und ich weiß nicht, was daraus werden könnte.«
Findling dachte eigentlich kaum, daß er für den Tod des Wachtelhundes verantwortlich gemacht werden könnte, sondern nur daran, daß es für ihn nun sehr schwierig, wenn nicht unmöglich würde, für Birk zu sorgen. Da der Hund sich den jetzt überwachten Wirthschaftsgebäuden ungestraft nicht mehr nähern konnte, würde auch die Kat ihn des Abends schwerlich finden und heimlich Futter bringen können.
Der Knabe verbrachte eine schlechte Nacht – eine schlaflose Nacht, während er sich weit mehr um Birk als um sich selbst absorgte. Er überlegte auch, ob es für ihn nicht gerathen sei, den Dienst bei dem Grafen Ashton gleich morgen aufzugeben, und entschied sich nach Erwägung des Für und Wider, nun auszuführen, was ihn schon seit Wochen bewegte.
Erst gegen drei Uhr früh schlief er ein. Bei hellem Tag wieder erwachend, sprang er aus dem Bett, verwundert, heute von der Klingel seines Herrn nicht wie gewöhnlich gerufen worden zu sein.
Bei dem Entschlusse von der Nacht her sollte es jedenfalls bleiben. Am nämlichen Tage wollte er fortgehen unter der Angabe, daß er sich zu dem Dienste als Groom untauglich fühle. Niemand hatte ein Recht, ihn zurückzuhalten, und wenn er wegen seines Verlangens gescholten werden sollte, so fand er sich damit schon im Voraus ab. In der Erwartung, Knall und Fall weggejagt zu werden, zog er die Kleidung von der Farm her an, die zwar etwas abgenutzt, aber reinlich war, da er sie immer sorgfältig aufbewahrt hatte, und steckte die Börse mit seinem seit drei Monaten gesparten Lohn zu sich. Wenn er dann dem Lord Piborne seine Absicht, das Schloß zu verlassen, in höflichster Form mitgetheilt hätte, wollte er diesen auch noch um seinen halbmonatlichen Gehalt – bis zum 15. September – bitten, und endlich versuchen, der Kat Lebewohl zu sagen, ohne sie bloßzustellen. Hatte er dann Birk in der Nachbarschaft aufgefunden, so würden beide – gleichmäßig befriedigt, von Trelingar-castle wegzukommen – auf und davon gehen.
Erst gegen neun Uhr kam Findling nach dem Hofe hinunter, wo er mit Verwunderung hörte, daß der Graf schon seit Sonnenaufgang ausgegangen sei. Sonst brauchte dieser stets seinen Groom, um ihm beim Ankleiden behilflich zu sein, was niemals ohne Nörgeleien und grobe Vorwürfe abging.
Zu dieser Verwunderung kam aber bald noch eine sehr gerechtfertigte Beunruhigung, als er bemerkte, daß weder Bill, der Piqueur, noch die Hunde da waren.
Kat stand eben an der Thür des Waschhauses und winkte ihn zu sich heran.
»Der Graf ist mit Bill und den beiden Hunden aufgebrochen, flüsterte sie ihm zu, sie wollen auf Birk Jagd machen.«
Vor Erregung und Ingrimm konnte Findling zuerst gar nicht antworten.