Am 3. Mai gelangte der Karren nach dem Flecken Dungarvan. Er war leer – nicht der Flecken, sondern der Karren – und mußte von Grund auf frisch gefüllt werden, was in dem sechstausend Einwohner zählenden Orte keine großen Schwierigkeiten machte. Dungarvan hat einen Hafen für flächer gehende Schiffe, an der Bai gleichen Namens, deren Ufer durch einen fünfhundert Toisen (975 Meter) langen Damm mit Durchlaß für die Schiffe, verbunden sind. Wie bei Youghal kann man also auch hier über die Bai hinweg gelangen, statt diese umkreisen zu müssen.
Zwei Tage verweilte Findling in Dungarvan. Er hatte hier den trefflichen Einfall, von den Küstenfahrern sehr billig verschiedene Wollenwaaren zu kaufen, die ihm seiner Meinung nach im Lande draußen gern abgenommen würden. Birks Last wurde dadurch auch nicht wesentlich vergrößert.
Die nutzbringende Reise ging immer langsam weiter, und wenn sie nicht von erwähnenswerthen Ereignissen unterbrochen wurde, so blieb sie zum Glück doch auch frei von Unfällen. Die Witterung blieb unverändert günstig. Auf der Landstraße kein Abenteuer. Wer hätte den Kindern auch ein Leid anthun sollen? An den Küsten Südirlands begegnet man überhaupt wenigeren zu Rohheiten und Gewaltthätigkeiten geneigten Leuten. Die Gegend ist auch nicht so arm, wie viele andre Grafschaften, z. B. die von Connaught und von Ulster. Das Meer liefert hier reiche Beute. Fischfang und Küstenfahrt ernähren den Schiffer und den Matrosen hinreichend, und der Landmann fühlt noch deren Nachbarschaft.
Unter solchen günstigen Verhältnissen gelangte der Karren über das siebzehn Meilen von Dungarvan entfernte Trenmore und erreichte vierzehn Tage später das von hier wieder ebenso weite Waterford an der Grenze von Munster. Nun sollte Findling endlich die Provinz verlassen, wo ihm ein so wechselvolles Schicksal beschieden gewesen war, das seinen Aufenthalt in Limerick, auf der Farm von Kerwan, im Schlosse Trelingar, die Reise nach den Seen von Killarney und endlich den Anfang seiner Handelsthätigkeit in Cork umschloß. Alle traurigen Tage hatte er jetzt schon vergessen. Er erinnerte sich nur seines Verweilens im Schoße der Familie Mac Carthy, und die Tage dort vermißte er allein, wie man den Verlust der Freuden des häuslichen Herdes schmerzlich empfindet.
»Sagt' ich Dir nicht, Bob, begann er da, daß wir in Waterford ausruhen wollten?
– Ich glaube, antwortete Bob. Müde bin ich aber gar nicht, und wenn Du weiter gehen willst...
– Nein, nein; wir wollen einige Tage hier bleiben....
– Und gar nichts thun?...
– O, etwas zu thun giebt es immer, Bob.«
Man »thut« ja doch auch etwas, wenn man, wie hier, eine hübsche Stadt von fünfundzwanzigtausend Einwohnern besucht, die am Ufer des mit einer Brücke von neununddreißig Bogen überspannten Suir liegt. Waterford ist überdies ein ziemlich lebhafter Hafenplatz, was unsern jungen Handelsmann stets interessierte – der bedeutendste des östlichen Munster und mit regelmäßiger Schiffsverbindung mit Liverpool, Bristol und Dublin.