Er hörte jetzt von dem Verluste des Portefeuilles und erinnerte sich, daß Mylord, sein Vater, dasselbe in der Hand gehabt hatte, als er aus dem Hause des Sachverwalters zurückkam, und daß er es bei der Abfahrt von Newmarket nicht in die Tasche gesteckt, sondern hinter sich auf den Wagensitz gelegt habe.
»Sind Sie Ihrer Sache sicher, Graf Ashton? fragte die Marquise.
– Ja, Milady, und ich glaube nicht, daß das Portefeuille habe aus dem Wagen fallen können.
– Dann hätte es sich also, meinte Lord Piborne, noch darin befinden müssen, als wir am Schlosse wieder eintrafen.
– Und man kommt zu dem Schlusse, daß es einer der Diener unterschlagen hat,« setzte Lady Piborne hinzu.
Dieser Ansicht war natürlich auch Graf Ashton. Er hatte gar kein Vertrauen zu solchen »Kerlen«, die immer spionieren, wenn sie nicht gar stehlen – und beides meist zusammen thun – die man das Recht haben sollte, wie einst die Leibeigenen Großbritanniens, nach Belieben auszupeitschen. Woher er etwas von »Leibeignen in Großbritannien« gehört hatte, das mochte der Himmel wissen. Er beklagte nur, daß der Marquis und die Marquise ihm keinen eignen Kammerdiener oder wenigstens einen Groom zugetheilt hatten, der würde schon die Hand des Herren zu fühlen bekommen haben u. s. w.
Das hieß rein herausgesprochen, und um eine solche Sprache zu führen, mußte man das blaue Blut der Piborne in den Adern haben.
Die Verhandlung lief also darauf hinaus, daß das Portefeuille gestohlen, und zwar von einem der Diener gestohlen sein werde, daß darüber eine Untersuchung angestellt und jeder, auf dem der geringste Verdacht haften bleibe, sofort der Polizei überwiesen werden müsse, da dem Lord Piborne das Recht der hohen und niedern Gerichtsbarkeit abging.
Der Graf Ashton drückte also auf den Knopf der Klingel, und wenige Augenblicke später erschien der Schloßverwalter vor ihren Herrlichkeiten.
Dieser Herr Scarlett, der Intendant des Lord Piborne, war der richtige Scheinheilige, eine schmeichlerische, katzenbuckelnde Persönlichkeit, der immer den grundehrlichen Mann spielte und von der Dienerschaft des Hauses bestens gehaßt wurde, da er seine Untergebenen zwar ohne Aufbrausen und Anmaßung, doch im Grunde schlecht behandelte.