Es versteht sich von selbst, daß dieser Apparat infolge der glücklich gewählten Lage seines Schwerpunktes hinreichende Stabilität zeigte. Man brauchte also niemals zu fürchten, daß er mit der horizontalen bedenkliche Winkel bilden oder gar umschlagen könnte.
Es erübrigt noch mitzutheilen, aus welchem Material der Ingenieur Robur seinen Aeronef hergestellt hatte, ein Name, der für den „Albatros“ besonders geeignet erscheint. Welches war der so harte Stoff, daß das Bowie-Messer Phil Evans' ihn nicht zu ritzen und dessen Natur Onkel Prudent nicht zu erkennen vermochte? Ganz einfach — Papier!
Schon eine Reihe von Jahren hatte die Fabrikation desselben große Ausdehnung gewonnen. Ungeleimtes Papier, dessen Blätter mit Dextrin und Stärkemehl imprägnirt wurden, bildet unter der Wirkung der hydraulischen Presse ein Material von der Härte des Stahls. Man erzeugt daraus Rollen, Schienen und Wagenräder, welche haltbarer und gleichzeitig leichter sind, als solche aus Metall. Diese große Haltbarkeit bei außerordentlicher Leichtigkeit eben hatte Robur bei der Erbauung seiner Luftlocomotive zu benützen gesucht. Alles, Rumpf, Rippen, Ruffs, Cabinen, bestand aus Strohpapier, das unter hohem Drucke metallähnlich geworden war und das sich — ein Umstand, bei einem in großer Höhe dahinschwebenden Apparate gewiß von Werth — auch als unverbrennlich erwies.
Für die verschiedenen Theile der Schwebe- und Treibmaschinerie, wie für die Flügel der Schrauben hatte gelatiniertes Fasergewebe als ebenso widerstandsfähiges, wie biegsames Material gedient und von diesem auch, da es sich allen Formen anpaßte, in den meisten Gasen und Flüssigkeiten, Säuren und Salzen unlöslich war — ohne von seinen isolirenden Eigenschaften zu sprechen — in der elektrischen Maschinerie des „Albatros“ der ausgedehnteste Gebrauch gemacht worden.
Der Ingenieur Robur, sein Obersteuermann Tom Turner, ein Mechaniker mit zwei Gehilfen, zwei Bootsmänner und ein Koch — Alles in Allem acht Personen — bildeten die ganze Besatzung des „Albatros“, welche für die bei der Fahrt durch die Luft nöthigen Manöver übrig ausreichte. Jagd- und Kriegswaffen, Fischergeräthe, elektrische Lampen, Beobachtungsinstrumente, Boussolen und Sextanten zur Erkennung der Fahrtrichtung, Thermometer zur Messung der Temperatur; verschiedene Barometer, die einen, um die erreichte Höhe, die anderen, um die Veränderung des Luftdruckes zu messen, ein „Stormglas“ zum Erkennen drohender Stürme, eine kleine Bibliothek, eine kleine tragbare Druckerei, ein Geschütz auf Zapfen, in der Mitte des Decks, das, von rückwärts geladen, ein Geschoß von sechs Centimeter Durchmesser schleuderte; der nöthige Vorrath an Pulver, Kugeln, Dynamitpatronen; eine Küche, in der die von Accumulatoren gelieferten Ströme zur Feuerung dienten, ein Vorrath von Conserven, Fleisch und Gemüse, die in einer Cambüse ad hoc neben Gefäßen mit Brandy, Whisky und Gin aufgestapelt waren, endlich Alles, was während einiger Monate gebraucht werden konnte, ohne landen zu müssen — das bildete das Material und die Vorräthe des „Albatros“ — ohne die berühmte Trompete zu rechnen.
Außerdem befand sich ein leichtes, unversenkbares Kautschukboot an Bord, das acht Mann auf einem Flusse, einem See oder auch auf ruhigem Meer tragen konnte. Fallschirme in Voraussicht eines eintretenden Unglücks führte Robur nicht mit sich. Er glaubte nicht an Unfälle dieser Art. Die Achsen der Schrauben waren alle von einander unabhängig; der Stillstand der einen blieb auf die übrigen ohne Einfluß. Selbst wenn nur das halbe Triebwerk in Gang blieb, reichte es schon aus, den „Albatros“ in seinem natürlichen Element zu erhalten.
„Und mit ihm, wie Robur der Sieger Gelegenheit fand gegen seine Passagiere — Passagiere wider Willen — zu äußern, mit ihm bin ich Herr jenes siebenten Welttheiles, der an Größe Australien und Afrika, Oceanien, Asien, Amerika und Europa übertrifft, jenes Icariens der Luft, das eines Tages noch Tausende von Icarussen bevölkern werden!“