Die Krankheit machte in kurzer Zeit rasche Fortschritte, doch hofften die Aerzte von seiner kräftigen Natur, daß sie das Uebel langsamer oder schneller besiegen werde.... da jedoch der Ausspruch eines Arztes niemals untrüglich sein kann, so war es natürlich, daß eine liebende und in Angst harrende Gattin nur geringen Trost aus ihm schöpfen konnte; sah man jedoch Cölestinens Schmerz, so mußte man sie für eine solche Gattin halten. —

Da saß sie durch Tage und Nächte neben seinem Haupte, reichte ihm Arznei, Tränke — pflegte seiner mit weinenden Augen und diente ihm wie eine Magd; denn sie litt es nicht, daß ein Anderer auch nur den kleinsten Dienst bei ihm versähe, wenn sie hierzu selber Kraft und Stärke fand. — — Unter solchen Umständen mußte das Wort des Arztes wahr werden und ihr Kummer, ihre Angst, ihre Verzweiflung, vergebens. — In Alexanders Befinden trat eine sichtbare Besserung ein — und nun stürzte die junge Frau auf ihre Kniee und pries Gott im lauten Dankgebete. — Wie harrte sie mit zitternder Ungeduld des ersten lichten und bekenntnißvollen Augenblicks.... dann wollte sie mit Alexander reden, sich vertheidigen — und sie hoffte gewiß, daß er ihr glauben werde....

O der Getäuschte! — — Er erwachte wirklich, er sah sie mit klaren Augen an, wie sie vor ihm stand — die Arme ausbreitete, mit thränenvollem Antlitz ihm entgegenlächelte und schon den Mund aufthat — — — — Aber es war ihr nicht vergönnt, weiter zu kommen... Bis hierher nur erfüllte sich ihre Hoffnung, hier schnitt er sie ihr ab — denn sein Vertrauen zu ihr war dahin, seit der Glaube an ihr Herz ihn gänzlich verlassen hatte.... Vergebens sank sie noch einmal vor ihm auf die Kniee.... ihr Anblick war erschütternd.... Er aber, der Gatte deutete ihr an, daß sie ihn verlassen möge — und als sie dies Gebot nicht befolgte, sah man seinen Zustand sich augenblicklich auf eine entsetzliche Weise verschlimmern....

„Sie werden ihn tödten, wenn Sie länger hier bleiben,“ bedeutete traurig der Arzt — — und sie ging — sie kam nicht mehr zu seinem Lager.

Einige Tage darauf war er so weit hergestellt, daß er sich nun wieder erheben und sein Bett verlassen konnte. Er brachte jetzt den größten Theil des Tages in einem Armstuhl, umgeben von Büchern und Schriften, zu, worunter ihn besonders die letzteren beschäftigten. — Besuche nahm er nicht an — selbst Briefe ließ er durch seinen Sekretär eröffnen, und wies jeden, mochte er auch direkt und dringend an ihn lauten, von sich. Er besaß keine Geheimnisse und überdies hatte der Sekretär sein volles Vertrauen....

Unter den Schreiben, welche anlangten, befanden sich drei von Cölestine, deren Inhalt uns eben so unbekannt geblieben ist, wie er es für Alexander und selbst für seinen Sekretär war — denn dieser Ehrenmann siegelte sie, ohne sie gelesen zu haben, wieder zu.

Es war gegen Ende Dezembers, als Alexander Wien verließ, gefolgt nur von seinem Sekretär und einigen vertrauten Dienern. Er hinterließ für Cölestine folgendes Schreiben:

„Gräfin! — Ich verlasse Sie, Ihr Haus und die Residenz, ohne Ihnen sagen zu können, wohin ich reise und welches der Ort meines ferneren Aufenthaltes sein wird. Zu Ihrer Beruhigung — denn sie wird wohl nur auf diese Weise zu erzielen sein — hinterlasse ich Ihnen beiliegende schriftliche Erklärung, worin ich mich die Ursache unserer raschen und plötzlichen Trennung nenne und woraus keine Schuld hervorgeht, die nicht auf mein Haupt fiele; Sie werden Gelegenheit finden, von diesem Dokument den nützlichsten Gebrauch zu machen — und ich wünsche Ihnen herzlich Glück, wenn damit sowohl Ihre Wünsche wie die Anforderungen der Welt beschwichtigt werden, woran ich nicht einen Augenblick zweifle. — — Alles, was ich hinterlassen habe, ist zu Ihrer unbeschränktesten Verfügung gestellt. — Ihre Verhältnisse bleiben demnach ganz dieselben, welche sie zu meiner Zeit waren — — ich vergesse hinzuzusetzen: wahrscheinlich werden sie noch weit angenehmer sein; — ich verspreche mich abermals: sie werden dies ganz gewiß sein! — — Gnädige Frau.... erlauben Sie mir jetzt eine kleine Eigennützigkeit. In Anerkennung des Dienstes, welchen ich Ihnen leiste, lassen Sie mich an Sie die Bitte stellen: falls Sie meinen Aufenthalt errathen oder erfahren sollten — so schreiben Sie mir nicht — noch schicken Sie eine dritte Person zu mir — am wenigsten aber kommen Sie selbst...... Dies wird wohl schwerlich geschehen — es ist fast albern, daran zu denken — jedoch für den Fall dieser oder jener Möglichkeiten erfahren Sie, daß mein Zorn dadurch auf’s Aeußerste gereizt und ich zu einer That fähig wäre, die sowohl Sie als mich entehren könnte. — Schonen Sie also unser Beider Namen — wenigstens von dieser Seite. —

Und nun habe ich Ihnen nichts mehr zu sagen, als: leben Sie für immer wohl.