Ihr war es noch nicht eingefallen, den fremden Kindern ihr einsames Geheimnis preiszugeben, noch viel weniger den Kollegen und Kolleginnen. Der Garten war auch jetzt ein Märchen. Sie schaute von ihren Fenstern aus oft hinein, und nur ihre Fußspuren gingen einsam durch den Schnee. Der Garten war ihr Schönstes.
Aber sie sah keinen Grund nein zu sagen. Denn in ihrem Amt durfte sie eigentlich gar nichts für sich allein haben. Alles mußte dem Zwecke dienen, dem sie sich einmal gelobt hatte.
Sie stand am Fenster und gewahrte, daß der Doktor zuerst allein hineinging. Er schaute auf ihre Fußspuren und verfolgte sie langsam bis zum Tempel mit dem blauen Griechenbild. Auf einmal hatte sie das Gefühl: es ist ihm gar nicht um das Schneeballen der Kinder – er will nur wieder spähen. Er hat ein halbes Bild von dir und will neue Züge haben. Er sucht sie sich.
Sie sah, wie er ging und ihre Spuren verdarb.
Sie sah, wie er durch ihren weißen Schneegarten ging.
Auf einmal fühlte sie das Widrigste an ihm, das eine Frau an einem Mann empfinden kann.
Sie trat zurück. Ihre schwarze Gewandschleppe rauschte.
Dann hörte sie Kinderlärm.
Jetzt flog es da unten hin und her. Ball auf Ball. Der Doktor warf seine Bälle immer den hübschesten Mädchen zu. Die wußten das und warteten darauf. Sie lachten.
Christiane dachte jäh: im Grunde wird Bartelmes mit diesen Mädchen gut fertig.