Christiane hatte manchmal gedacht: wie gut ist es, daß ich niemals ein Kind haben werde. Ich könnte es nicht ertragen, wenn es anders würde als ich. Wenn es – zurücktauchte.

Jetzt aber hatte sie an Hanni Cöldt gesehen, daß es noch viel wunderlichere und sonderbarere Dinge gibt als ein einfaches Zurückgleiten der Generationen.

Die Mutter öffnete selbst. Sie hatte ein Staubtuch in der Hand. In einem der Zimmer, dessen Inhaberin grade nicht da war, wurde Reinmachen abgehalten. Frau Dorreyter hatte Christiane vor vier Tagen bei der Ankunft begrüßt und ihr dann ein wenig beim Einzug ins Reutterschloß geholfen, hierauf war sie gleich wieder in ihre Pension zurückgeeilt, denn die gab zu tun.

»Warst du bei Hardi?« fragte sie gleich eifrig. »Wie fandst du sie?«

»Nervös, wie immer.«

»Sie ist sehr krank. Hättest du sie nur gesehen, wie ich sie gesehen habe! Die ganze Heirat war eine Torheit. Wäre sie nur bei mir! Nur die allergrößte Schonung kann ihr Leben erhalten –!«

Christiane zuckte die Achseln.

Frau Dorreyter öffnete die Tür zu ihrem Wohnzimmer, das zugleich allgemeines Eßzimmer war. Sie schlief auch darin. Abends wurde das Sofa für sie zurechtgemacht, und sie lag darauf besser, als in irgend einem Bett. Sie war es gewohnt. Früh, ganz zeitig, stand sie auf.

Jetzt war alles tadellos aufgeräumt. Auf dem Büfett lagen die aneinandergereihten Serviettenröllchen der Damen neben einem blanken Nickelkaffeegeschirr.

Auf dem Tisch stand noch eine Kanne mit dem Wärmer.