Die Amerikaner müssen Baumwolle erzeugen, die Engländer müssen dieselbe spinnen; beide Nationen gehören und passen daher zu einander, aber dabei ist das Interesse beider zu beobachten. Betrachten wir die herrlichen Mittel, welche die Natur den Amerikanern zur Selbstständigkeit reichte; werfen wir einen Blick auf den vortrefflichen Boden, wodurch alle menschlichen Bedürfnisse direct oder indirect befriedigt werden können. Ein Land, geeignet zum Acker-, Wein- und Seiden-Bau; ein Land, welches alle zur Fabrikation erforderlichen Mittel im Ueberfluß hat, in dessen südlichen Provinzen Kaffee und Zucker etc. wächst, welches bei Nachsuchung in den Bergen edle Metalle liefern würde; ein Land, von dem man mit Recht sagen kann, daß darin Milch und Honig fleußt, ein solches Land ist unglücklich, weil es nicht mit der erforderlichen Umsicht administrirt wird. Wäre der edle große Washington zugleich mit dem Geiste eines Peters des Großen begabt gewesen: so wäre Amerika jetzt das erste und glücklichste Land auf dem Erdball; es würde sich vielleicht einer Anzahl von Ausländern, die wir Europäer nicht bedauern verloren zu haben, weniger erfreuen; allein es würde statt dieser solche besitzen, wie diejenigen waren, welche jener russische Monarch für sich zu gewinnen wußte, welche zum Heil der russischen Nation gewirkt haben.
Jedes Regenten erstes Bestreben muß auf Vertrauen gerichtet sein. Volk und Regent fühlen sich nur glücklich, wenn sie mit Vertrauen auf einander hinblicken, und gerade Vertrauen ist es, was der Regierung der V. S. abgeht und bei der jetzigen Regierungsweise auch nicht statt finden kann; denn die ungeheuern Revenüen werden vergeudet (eines gelinderen Ausdrucks kann man sich nicht bedienen). Man kann keinen andern Grund für den großen Geldaufwand angeben als den: die amerikanische Regierung will die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich ziehen; es soll gesagt werden: Nur die amerikanische Union besitzt, gleich den Römern die Mittel, das Unmögliche möglich zu machen, und zwar, weil sie Republik ist. Man werfe einen Blick auf die Revenüen der V. S., die wir nachstehender Tabelle übersichtlich dem Leser vorlegen, wobei wir die Einnahme für den Landverkauf, des besonderen Interesses wegen, abgesondert anführen:
| Jahr. | Revenüen für Landverkauf. | Gesammte Revenüen. | |
| Piaster. | Piaster. | ||
| 1829 | 1,517,175 | 24,199,140 | |
| 1830 | 2,529,356 | 26,251,747 | |
| 1831 | 3,210,815 | 28,435,256 | |
| 1832 | 2,624,231 | 32,639,468 | |
| 1833 | 3,059,682 | 33,092,190 | |
| 1834 | ,488,620 | 16,703,566 | |
| 1835 | 18,751,600 | 98,142,710 | |
| 1836 | 24,500,000 | 47,909,940 | |
| 1837 | 6,776,236 | 23,499,981 | |
| 1838 | 3,136,828 | 38,127,954 | |
| 1839 | 5,000,000 | 28,780,000 | |
| Summa | 397,781,952 | P. | |
Wozu nun, dürfte mancher Leser fragen, wurden diese drei hundert und sechs und funfzig Millionen Piaster verwendet? Das Verfahren hierbei ist folgendes: Beim Zusammentreten des Kongresses in Washington (welches, nebenbei gesagt, ziemlich überflüssig ist, indem jeder Staat seinen eigenen Präsidenten hat, welcher nach den Landesgesetzen den Staat regiert; auch ist es wohl wahrscheinlich, daß in dem Verlauf von einem Jahrzehend mehrere Staaten von der Union sich lossagen), also beim Zusammentreten des Kongresses befinden sich die oben angegebenen jährlichen Revenüen in Washington und die Hauptgeschäfte desselben bestehen jetzt darin, zu bestimmen, wozu sie verwendet werden sollen. Es wird nächstdem auf das Bedächtigste in Erwägung gezogen, welche Papiermühlen, bei einer etwa eintretenden Geldnoth, zur Abhülfe derselben gewählt werden sollen. Nach einer anhaltenden und langen Ueberlegung beschließt der Kongreß, den größeren Theil der Revenüen zum Bau von Eisenbahnen zu verwenden. Die Wege von New-Orleans nach New-York werden hierbei ausgeschlossen, um dem Mississippi nicht den schuldigen Tribut von Menschenleben zu entziehen. Am wichtigsten scheinen demselben die Wege, auf welchen zur Erbauung von Banken in New-York die erforderlichen Granitblöcke herbeigeschafft werden können. Höchst komisch! Banken und zu welchem Endzweck? Um den in denselben arbeitenden Commis einen angenehmen Aufenthalt zu verschaffen. Da viele unter den Lesern sein werden, welche die amerikanischen Banken für das halten, was sie sein sollen und für ganz ähnlich den europäischen Banken, so behält sich der Verf. vor, am Ende dieser Abtheilung hierauf zurückzukommen. — Nachdem nun dieser Beschluß, welcher die Herbeischaffung der Granitblöcke zum Gegenstand hat, glücklich zu Stande gekommen ist, schreitet man zu einem noch weit wichtiger scheinenden, nämlich ein Zollhaus zu bauen.[J] Es wird dekretirt, daß ein Klumpen Goldes nach Italien geschickt werden soll, um Marmor zu diesem Zwecke einkaufen zu lassen, welcher denn auch mit vielen Kosten in fertigen Säulen, Platten u. s. w. herbeigeschafft wird. Und welchen Ort hat man für dies Prachtgebäude gewählt? Eine Ecke von Wall-Street und einer anderen Straße, zu vergleichen mit der Ecke der Königs- und Spandauer-Straße in Berlin. Der Leser würde sich indeß sehr irren, wenn er dieses Zollgebäude als wirkliches Zollhaus ansähe. Keinesweges! Dieses herrliche Gebäude, welches etwa eine Viertel-Stunde Weges von den Bollwerken, dem Abladungs-Platze der Schiffe, entfernt liegt, soll blos zum angenehmen Aufenthalt der Officianten dienen, und die Collys sollen nach wie vor in die gemietheten public-stores kommen. Fragt man, warum nicht zugleich ein großer Packhof an der Wasserseite erbaut und mit jenem Prachtgebäude verbunden wird, so erhält man die Antwort: die Eigenthümer des Grundes von der Wasserseite seien zu theuer damit, als daß die Regierung darauf eingehen könnte. Ueber die Unbequemlichkeit, welche hieraus für die Güter-Empfänger entsteht, habe ich bereits oben gesprochen.
Der Kongreß zu Washington ist mithin in voller Arbeit, die Revenüen unterzubringen und vergißt hierbei die Hauptsache, nämlich für die Erhaltung des öffentlichen Kredits Sorge zu tragen; Eisenbahnen, Kanäle und Banken sind an der Tagesordnung. Sie halten es für überflüssig, an die Erhaltung des Kredits zu denken, weil sie keinen haben; sie begreifen nicht, wie die Revenüen besser zu placiren wären, als in Eisenbahnen und italiänische Waaren. — Warum, möchte der Verfasser diesen Kongreßmännern zurufen, warum verschleudert ihr euer Geld zu diesen nichtigen Dingen? verwendet eure Einkünfte zu nützlichen Zwecken, zu Prämien für einwandernde Fabrikanten, Bergwerker und Oekonomen; verschafft euern Banknoten hypothekarische Sicherheit, welche nur bei einer vernünftigen Administration gefunden werden kann. Laßt Euch, amerikanische Herren, Katherinens, der Kaiserin von Rußland Verfahren bei Einführung der ersten Banknoten (Bomaschkis) als Beispiel dienen; sie ließ zur Sicherheit der Inhaber solcher Papiere Fünf-Kopeken-Stücke aus Kupfer und Rubel von 2½ Pfund Gewicht ausprägen. Oder werft eure Blicke auf die Hamburger Bank. Bürget doch hier der Keller-Inhalt (die Baarschaft) für die Zahlfähigkeit; sieht man doch in Hamburg, obgleich die Geschäfte in dieser Stadt noch bedeutender, wie die in New-York sind, weder Geld, noch Banknoten; es genügt hier die Versicherung des Bank-Direktors, Paul habe an Peter dessen Forderung von seinen in den Kellern vorräthigen nobeln Metallen überwiesen. Laßt Euch Englands Bank hierbei zur Warnung dienen, welche in der letzten Zeit dadurch in Verlegenheit kam, daß sie nicht die hinlängliche Quantität Geld im Keller hatte, um den Banknoten damit entgegenkommen zu können.
Da indeß Niemand die Herren des Kongresses hierauf aufmerksam macht und sie selbst ihren Blick nicht so weit erheben, so geht Alles im alten Schlendrian fort; die Revenüen werden vergeudet, die Geldverlegenheiten währen fort und werden so lange fortwähren, bis von Seiten aller Banken zur Einstellung der Baarzahlungen geschritten wird. Eine homöopathische Kur muß mit der Banknoten-Krankheit vorgenommen werden: sie ist durch den Ueberfluß von Banknoten entstanden und muß durch einen noch größeren Ueberfluß geheilt werden. Alle Münzen müssen erst in den V. S. zu den höchsten Seltenheiten gehören, man muß für ein Fünf-Piaster-Stück fünf Stücke englischer Waaren kaufen können, wenn Amerika geheilt, d. h. wenn der übermäßigen Einfuhr jenes Artikels Schranken gesetzt und die Handels-Bilanz für den ausländischen erfahrenen Kaufmann beachtenswerth werden soll, denn die jetzige beweist, daß wenigstens innerhalb jeder 2 Jahre immer eine Handelskrisis eintreten muß, und befindet sie sich doch, wie die vorhergehende Tabelle zeigt, im krampfhaftesten Zustande. Lasse man doch die Jobbers und die Manufaktur-Waaren-Schwindler ihr Wesen treiben, nur benehme man ihnen die Mittel, wodurch sie das Land in noch größere Gefahr bringen. So wie man den unerfahrenen kleinen Kindern keine verwundende Instrumente in die Hand giebt, so müssen die am Waaren-Fieber Leidenden vor dem Besitz nobler Metalle bewahrt werden. Man lasse sie für ihre Banknoten, wenn sie nämlich welche haben, Amerikanische Erzeugnisse, wie Reis, Baumwolle, Taback, Pelzwaaren u. s. w. kaufen, nach Europa befördern und für den Ertrag Manufaktur-Waaren kommittiren, nur sorge man dafür, daß nicht noch mehr Metall aus den V. S. als Rimessen und zwar blos für Manufakturen wandert, indem die V. S. das Vierfache des von England für ihre Baumwolle erhaltenen Preises zurückbezahlen.
Die V. S. haben nicht solche Massen nobler Metalle, um das Arbeitslohn für ihre Baumwolle in England mit Gold aufzuwiegen, und dieses gerade ist’s, was den Hauptwerth der englischen Fabrikwaaren ausmacht. Man bemerke die Lebensweise der Arbeiter in den englischen Fabrikörtern, man sehe, wie sie 6, 8 und mehrere Stunden ununterbrochen in den Schenken zechen, und zwar von solchen Getränken zechen, wovon ⅞ des dafür bezahlten Geldwerthes zur Bezahlung der Zinsen der 850 Millionen L. St. National-Schuld verwendet wird; erwägt man diese Umstände, so wird man sehr bald zur Ueberzeugung kommen, daß die größere Hälfte jener Zinsen durch Hülfe der Manufaktur-Waaren-Arbeiter herbei geschafft wird.
Rußland scheint anders zu denken, als die V. S., und das Fabriziren zu Hause vor Allem als nöthig erachtet zu haben; deshalb die vielen Fabriken, welche unbedingt zur Erhaltung der Gold- und Silber-Erträge aus den Bergwerken am Caucasus, Nertschinsky und Ecatherinenburg erforderlich sind; denn daß die letzteren nicht zugelangt haben würden, um das Lohn für die Arbeiten an in Rußland einzuführenden Waaren zu bezahlen, leidet keinen Zweifel. Nicht minder wohl als Rußland befindet sich Deutschland beim Kontinental-System (Zollverband genannt), welches Preußen, wie oben (p. 17.) bemerkt, ohne gleich Napoleons Kanonen anzuwenden, mit Dinte, Feder und Papier, zur Freude Deutschlands, in kürzerer Zeit als möglich schien, zu Stande gebracht hat. Durch diese Maßregeln haben das Russische und Preußische Gouvernement ihr Gold und Silber dem Lande erhalten und für die coursirenden Papiergelder ein allgemeines Zutrauen herbeigeführt. Man richte in dieser Hinsicht nur einen Blick auf Preußen! Sind doch seine Kassen-Anweisungen im Lande selbst nicht anders als mit einem Agio zu haben; während dem der Werth des Goldes mit jedem Jahre in Deutschland sinkt, werden seine Kassen-Anweisungen in jedem Lande für den vollen Werth genommen.
Wenn die Regierung der V. S. diese letzten Thatsachen aufmerksam beachten und die Frage an sich selbst richten wollte, warum man in unserer Zeit auf das Papiergeld eines so herrlichen Landes wie Amerika weniger Werth setzt, als vor 300 Jahren auf die Pelzflicke des Czaars Wassiliewwitsch: so würde jene Regierung diese Frage sich eben so beantworten müssen, als jeder Leser nach dem Vorhergehenden sie mit dem Verfasser beantwortet: daß man nämlich zu einer Regierung, welche, ohne die Ausgaben für Militair-Macht und Civilliste, sich einer jährlichen Revenüe von 60–80, ja 100 Millionen Piaster erfreut und dabei in steter Geldverlegenheit ist, kein Vertrauen haben kann.
Für beide Reiche, Amerika und England, wäre in dieser Hinsicht die Anwendung der homöopathischen Heilmethode zu empfehlen. Das erstere Land müßte sich zum Fabrik-Staat erheben, das letztere um mehrere Grade in der Fabrikations-Skala heruntergehen. Für jenes würde alsdann eine neue Sonne aufgehen und die Strahlen derselben dem letzteren minder hell leuchten, aber dennoch fruchtbarer sich für dasselbe erweisen, und was läge den Engländern hieran? da sie ja ohnehin wegen der vielen Nebel sich an ein wenig Dunkelheit gewöhnt haben.