»Ja, Mama. Soll ich Dir jeden Posten einzeln vorreiten?«

»Nein, nein, laß nur. Aber merke Dir eins: Weißbier und kalte Milch vertragen wetterfeste Landbewohner kaum, viel weniger gebildete Stadtkinder.«

Ich gab ihr die Groschen, die sie schmunzelnd in ihr Portemonnaie knippste, wobei ich sofort ahnte, daß sie mich um eine heimliche Provision überlistet hatte. Aber was hilft die richtigste Rechnung, wenn sie nicht bezahlt wird? Ich lag drin, jedoch es blieb in der Familie. —

Mit diesem Kummer hatte ich mich abgefunden, nicht aber mit dem Verdruß, den Ottilie mir durch ihre Neigung zu Kriehberg bereitet. Nie wäre es dahin gelangt, wenn ich sie straff unter meiner Aufsicht gehalten hätte, anstatt sie während meiner Abwesenheit Tante Lina anzuvertrauen, von der ich alles erwartet hätte, nur nicht die Begünstigung eines Liebesverhältnisses, das, wenn auch nicht direct ins Armenhaus, so doch nicht weit davon führt.

Denn die Sache liegt so.

Kriehberg hatte noch eine kleine, mit dem Bauwesen verknüpfte Stellung, Ausbesserungen zu leiten, wenn die Bedachung undicht geworden und was es sonst gab, denn wenn auch alles ein Ende nimmt, die Reparaturen an einem Neubau hören nie auf. Und die ganze Ausstellung ist ein Riesengesammtneubau.

Man sagte mir, weil das richtigste bei einem vor der Verlobung Stehenden ist, seine Verhältnisse zu erkunden, er wäre nicht ohne Fähigkeiten, aber die Häuser, die er entwürfe, ständen schon irgendwo. Mit der bloßen Verlegung von Fenstern und Thüren, daß nachher die Treppe nicht hineinpaßte oder ganz dunkle Räume erzielt würden, sei selbstständiges Fortkommen unmöglich. Man würde ihn seines Fleißes wegen in zweiter und dritter Linie beschäftigen, wenn er nicht die Manier hätte, sobald er sich warm fühlte, alles besser wissen zu wollen. Das könnte er ja auch, aber er müßte seine Weisheit bei sich behalten.

Was thut jedoch mein Kriehberg? Er nicht auf den Bureau-Maulkorb geachtet und eigene Meinung gehabt und den Vorgesetzten und beleidigende Scharaden gekommen.

Was hat er über das Thorhaus zu quesen und zu sagen, es wäre nicht viel dahinter? Und wie sie ihn fragen, wie er sich erdreisten könne, einen gothisch-romanisch-altdeutsch-renaissancenen Bau so zu despectiren, hat er geantwortet, es wäre auch nicht viel dahinter, nämlich blos ein Stück Treptower Chaussee.

Da ließ sich freilich wenig drauf antworten, weil die Eingangsfluren zur Ausstellung einen überraschend nuttigen Eindruck machen, gegen den das rechts und links verstreute Bedeutende stark zu kämpfen hat, um die erste Enttäuschung allmählich zu verwischen.