»Hast Du nie in seiner Gegenwart mit den Augen geklappert?«

»Ich verstehe Sie nicht.«

»Ottilie, es giebt verschiedene Sprachen, und eine davon ist die Augensprache, die ist in allen Dialekten die nämliche. Ein Blick sagt mehr als ein dickbändiger Briefsteller. Ich frage Dich, ob Du auf die Art etwa zu viel geredet hast?«

»O Nein. Ich beschäftige mich mit dem gewaltigen Pulsschlag des Residenzlebens, der täglich Neues und Großes bringt und der geistigen Förderung durch die entzückenden Darbietungen des Gewerbes und der Industrie.«

»Doch wohl nicht ausschließlich. Reichliche Zeit verbringst Du, Dich zu bewundern.«

»Wer sagt das?«

»Betrachte Dir den Teppich vor dem Spiegel, wie er leidet und stets und immer mit frischen Fußspuren. Das ist auch eine Sprache: Teppichsprache nämlich.«

Sie that schnippisch.

»Du bist jung, Ottilie, Du weißt noch nicht, ein wie theurer Lehrer die Erfahrung ist. Nimm meinen Rath an und verkriehberge Dich nicht.«

»Aber Tante Lina meinte, er müsse gut sein, gerade so gut wie Johannes Viedt, an den er sie erinnere, der nach Amerika gegangen ist, weil er Eine nicht unglücklich machen wollte, die er liebte, und ohne den Fluch der Eltern nicht die Seine nennen durfte.«