Wenn dem Chinesen heiß ist, wedelt er sich Kühlung mit dem Fächer zu, spürt der Deutsche Hitze, trinkt er kaltes Bier, und wegen solcher-Unterschiede findet der Eine den Anderen uncultivirt. Wir sehen auf die Chinesen herab, weil sie einen Zopf tragen, und die Chinesen dünken sich hoch über uns, weil wir keinen hängen haben. Wo liegt nun die Wahrheit? Der Eine ist, wie mit dem Fächer äußerlich, der Andere, wie mit dem Bier auf Eis, innerlich: das Endziel, die Abkühlung ist, das nämliche.
Dies sind nicht meine, sondern Onkel Fritzens Gedanken über Asien und Europa. Er hält es nämlich mit dem Zopf, natürlich blos, um mir zu widersprechen. Wir haben schon in der Schule über die Chinesen gelacht, wenn der Herr Lehrer uns eintrichterte, wie verdreht sie Alles machen und Pudelbraten mit Ricinusöl essen und nicht 'mal das Alphabet können, sondern für jedes Wort ein Zeichen hinpinseln. Und keinen Achtstundentag kennen sie und keinen Achtuhrladenschluß und keine Sonntagsruhe. Wie schaudervoll: in dem großen himmlischen Reiche kann jeder arbeiten, wann und wo es ihm paßt, und seine Steuern erwerben und kein heimlicher Schnüffler petzt und kein Streber zeigt ihn an und kein Richter verknackt ihn. Welch' gräßlicher Anblick, solche Verlodderung der Volkswohlfahrt nebst Müßigschlendern der Straf-Organe.
Und vor ihren Mandarinen rutschen sie Bauch. Das ist erstens kriecherisch und zweitens ruinirt es das Zeug.
»Ich bin sehr froh, nicht in China zu leben,« sagte ich.
»Ich dito« stimmte Onkel Fritz mir ausnahmsweise zu. »Denke Dir, Wilhelmine, wenn sie Dir kleine Klumpfüßchen anerzogen hätten, daß Du nur eben watscheln könntest.«
»Gehört hab' ich davon, aber warum sie das thun, ist mir nie kund geworden.«
»Damit die Frau ihrem Gatten nicht wegläuft.«
»Wie grausam!«
»Nicht wahr? Der arme Mann wird sie nie los.«