Je mehr wir in nächtliche Dunkelheit geriethen, um so dämmeriger wurde auch die Unterhaltung, die sich zuletzt darauf beschränkte, daß die Herren uns ihre Zigarren vorrauchten. Was es für Unkraut war, kann ich nicht sagen, aber sie selbst öffneten von Zeit zu Zeit die Fenster, um nicht zu ersticken. Ich schätzte es auf eine Art von Mottentod.
Dank der Unermüdlichkeit der Lokomotive kamen wir Berlin immer näher und als sie noch lange nicht pfiff, holte jeder sein Handgepäck heran und belästigte sich und die Nachbarn. Aber das ist einmal so in dem Verlangen begründet, rascher anzukommen, wie man ja auch lebensgefährlich dicht an den Schienen dem Zug entgegensieht, damit er sich eilt, wenn man mit will.
Wir wünschten uns gegenseitig viel Vergnügen und waren auseinander, als die Thür kaum offen stand. Ich sah weiter kein Vergnügen vor mir, als meinen Karl zu überraschen, da ich erst Morgen erwartet wurde.
Ich hinein in eine Droschke und los. Es war bereits gegen Mitternacht, aber in der Lindengegend und in den Hauptstraßen noch ein Treiben wie bei Tage, die Cafés und Bierpaläste im hellsten Lichte und auch noch Läden geöffnet. In der Provinz liegen sie schon zum zweiten Male auf der rechten Seite, dachte ich, und stärken sich mit gesundem Schlaf und drehen sich bald zum dritten Male im Bewußtsein höherer Solidität. Aber wer bildet das nächtliche Publikum in Berlin? Die Fremden. Und wo sind die her? Aus der Provinz. Wenn sie zu Hause so schwudderten? Ei weih!
Na, Ungermann wird sich über sein Abgangszeugniß aus der Residenz freuen.
Der Kutscher schien mich für außerhalbsch zu halten, indem er mit seinem Zossen auf Zeitfahrt losbummelte, bis ich ihm zurief: »Geben Sie dem ollen Asphaltschoner mal'n bisken langen Haber, er tritt sich ja auf die eigenen Hacken.«
Der Droschkenlenker hielt an und wandte sich um. »Det Ferd,« sagte er und deutete mit der Peitsche auf das Fell voll Knochen, »det war früher Rennpferd, der braucht keenen Dreschflegel. Im übrigen is er nu jlücklich so weit umdressirt, det er allens dhut, wat er will.«
»Na, wat will er denn?« erwiderte ich im Volkstone.
»Nach'n Stall will er.«