»Nein,« erwiderte ich, nachdem ich das Bildhauerische ergründet hatte, »das bezieht sich nicht auf Tabak, das ist der Ruhm, der bläst auf der sogenannten Fama, wie die Trompeten im Alterthum hießen.« — »Da gehört aber eine tüchtige Puste dazu,« sagte die Pohlenz. — »In früheren Zeiten waren die Lungen kräftiger,« gab ich ihr zu verstehen, »aber man schonte sich auch mehr bei Erkältungen und blieb zu Hause.«
Wir traten ein, in der Vorhalle den Löwenbrunnen zu besichtigen, wobei wir von einem Blumenmädchen anmuthig unterbrochen wurden. Sie war weiß gekleidet mit einer Achselschleife in den deutschen Farben, hatte aber kein Glück mit uns. Auch einer schwarz gekleideten erging es ebenso. Eine dritte, die dies sah, wagte sich nicht erst heran. Mir war auch nicht blumenkauferig.
Mein Karl hält abgeschnittenen Blumenhandel ebenfalls für unnöthig. Warum? Man ist eben aus den sogenannten Galanteriejahren heraus.
Die Pohlenzen strebte vorwärts: sie hätte so viel von dem Deckengemälde in der Kuppelhalle gelesen, das müßte sie betrachten. »Gewiß,« willigte ich ein, »Gemälde bilden.« — »Man sagt ja auch, Kinder wie die Bilder,« setzte die Butschen hinzu. Was sie damit meinte, war mir unerfindlich und wird wohl für immer räthselhaft bleiben, denn, gerade als ich nachfragen wollte, stieß die Pohlenz einen Mordsschrei aus und legte ihre linke Baumwollen-Handschuhhand wie eine Scheuklappe an die Stirn.
»Was ist Ihnen?« fragte ich besorgt. — »Haben Sie sich den Fuß verknaxt?« fragte die Butschen. — »Nein, nein,« ächzte die Pohlenz, »Gott nein. Nein, nein, ich kann das nicht sehen...« — »Was nicht?« — »O nein... nein... die Puppen.« — »Was für...« — Wir hielten nun auch einen Rundblick und entdeckten an einer Ecke der Halle ein paar Museumsriesen in der bekannten klassischen Auffassung, bei der das Stoffliche vernachlässigt wird, weil doch die Marmorfiguren aus dem sonnigen Griechenland entspringen und es im Alterthum keine Confectionsgeschäfte gab. Aber wegen der Größe und der Fleischfarbigkeit mochte die Pohlenz sie wohl für lebendig gehalten haben und gedacht, sie thäten ihr was.
»Es sind ja nur gipserne,« suchte die Butschen sie zu beschwichtigen. — »Nein, nein,« blieb die Pohlenz bei, »ich kann so was nicht sehen.« — »Denn kommen Sie man raus,« griff ich ein, »draußen sind die Blümelein und die rauschenden Gewässer und was sonst unerröthend ist. Für Kunst sind Sie noch nicht reif, die hat das Unbekleidete einmal so an sich. Oder wollen Sie nach den Wilden?«
»Nein... nein. Aber nach den Marineschauspielen will ich, dazu hab' ich ein Freibillet.« — -»Wie kommen Sie dabei?« Sie stach sich noch röther an, und lispelte kaum verstehbar: »Geschenkt.«
Ich drang nicht weiter in ihre maritimen Verhältnisse, sondern war froh, daß wir um die aus Strikegründen unvollendete Ausstellung meines Karls herum kamen, und fragte: »Wann ist denn der Zauber?« — »Das weiß ich nicht genau, es steht wohl irgendwo zu lesen.« — »Freilich in dem Programm.« — »Haben Sie eins?« — »Nein.« — »Sie auch nicht, Frau Butschen?« — »Ih, wo werd' ich!... Aber ich kann ja mal den Kaffee-Kellner fragen.«
Sie hin. Der Frackmensch sie mit ziemlicher Obenherabheit betrachtet, aber doch höflich geantwortet, sie müßte sich wohl irren, von Marineschauspielen wüßte er nur, daß sie vor längerer Zeit bei Kiel stattgefunden hätten. Ob sie vielleicht die Fischerei-Ausstellung meinte, die wäre bitte jenseits am diesseitigen Ufer der Spree gelegen.