Ein Blick über das Ganze.

Als ich Ottilie den Vorschlag machte, einen allgemeinen Ueberblick über die Ausstellung zu gewinnen, wollte sie gleich mit dem Fesselballon hoch.

»Nein,« sagte ich. »Vorläufig warten wir ab, ob er Zwischenfälle kriegt, und, wenn die dann nach einigen Wochen rasch und leicht beseitigt sind, steigen wir mit. Auch meine ich mit Ueberblick nicht ein Häppsken Vogelschau, sondern das fest im Gedächtnis haftende Terrain der Ausstellung, damit man weiß, was vorhanden ist, wo es liegt, wie man hinkommt, wie viel Zeit man auf das Einzelne verwenden kann. Es sind über viertausend Aussteller und nun rechne aus, wenn auf jeden nur fünf Minuten gründlicher Besichtigung fallen, wieviel Arbeitstage Du im Ganzen gebrauchst, den Tag zu acht Arbeitsstunden angenommen?«

»Kopfrechnen erlauben mir meine Nerven nicht,« antwortete Ottilie nach einiger Anstrengung, als sie nicht mehr mochte.

Sie bat mich gleich am ersten Tage um verwandtschaftliche Du-Anrede, die ich ihr bewilligte, da sie so allein steht und der Anschmiegung bedürftig ist.

»Nun,« fragte ich, »hast Du es?«

»Nein.«

»Also rund zweiundvierzig Tage. Das sind beinahe anderthalb Monate. Von Alt-Berlin, Kairo, dem Vergnügungspark, dem Theater, der Diamantschleiferei, dem Panorama, der Stearinfabrik, Etzetera ist dabei keine Rede und Du hast weder Naß noch Trocken, noch Ausruhen, noch Musikgenuß, noch irgend eine nothwendige Pause. Deshalb ist planvolles Vorgehen geboten. Heute ist Planschwetter, wir können nichts Besseres beginnen, als uns vorzubereiten.«

Sie seufzte. »Ich weiß nicht, ob meine Nerven«... fing sie an. — »Ich weiß, daß es ihnen gut bekommt,« entschied ich und breitete den officiellen Plan der Ausstellung auf dem Tische aus.