»Wie ist es mit dem Leichenbrennhaus?« lüsterte Ottilie. »Ist es schrecklich zu sehen?«

»O nein, wie so 'ne Kapelle im Grünen, und unterscheidet sich von den übrigen Ausstellungsunternehmungen dadurch, daß kein Ausschank damit verbunden ist. Auch inwendig ist sie gediegen, mit kirchlichem Fußgetäfel und Fenstergemälden und Sargkränzen.«

»Werden welche verbrannt?«

»Es sind nur Probeöfchen vorhanden, und an den Wänden Abbildungen von Verwesenden und was dazu gehört, um das Begraben zu verekeln und für das Einäschern zu gewinnen. Auch sieht man in Silberstangen-Nachbildung, was das Todtbleiben an verschiedenen Orten der Erde kostet, so daß Jeder sich sagt, das Sterben ist zu theuer, es muß billiger werden. Und dann steht da in einem Glashafen die Asche eines neunzehnjährigen jungen Mädchens.«

»Wie furchtbar!«

»Und von einem dreiundsechzigjährigen alten Manne.«

»Pfui!«

»Ottilie! Was kann der alte Mann dafür, daß seine Asche keine Ruhe findet, indem die Besucher sie in die Hand nehmen und schütteln? Vielleicht verdient er es, denn seine Asche ist schwärzlich, wogegen die des jüngeren, unschuldigen Mädchens beinahe Schneeweiße erreicht. Man sagt ja auch zuweilen: Einer taugt nicht bis in die Knochen. — Und Schwarz ist nun einmal verdächtig.«

»Haben Sie die Asche auch in der Hand gehabt?«

»Nun ja, ich hob den Glastopf, worin sie ist, und habe den alten Mann auch 'mal geschüttelt. Aber nachher hat es mich gereut.«