Musa erwiederte: Sultan Kuku besitzt weit mehr Land, und seine Hauptstadt lag weit mehr rechts gen Habesch zu. In dem Kriege ging ein streifender Haufen nach dem Eingange der festen Provinz, und verschloß sie ihm, sonst hätte er sich zurückgezogen, oder wenigstens Weiber und Schätze hinter die Felsen geflüchtet.
Nach dem Kriege hat er aber hier eine Hauptstadt erbaut, um sicherer zu seyn, und alles Land, was außer der Bergkette liegt, seinem Bruder Tata zur Regierung übergeben.
Man kam jetzt auf der inwendigen Seite zu der Bergkette hinaus. So viel schöne Natur Flore auch bisher da und dort gesehen hatte, der Anblick dieses Landes übertraf jede Vorstellung, und hätte die ächteste unter den poetischen Poesien, die Farben dazu gerieben. Blumen, Früchte, Thiere, alles von bezaubernder Form. Silberhelle Teiche mit Marmorfelsen am Rande, von denen kleine Bäche niederrieselten; lieblich verschlungene Bäche, die hundert kleine Blumeninseln bildeten, zu denen hinüber zu rudern, man sich nur in eine von den Muschelschaalen zu setzen brauchte, die silberweiß und von so ausnehmender Größe am Ufer lagen. Man hatte keine andere Häuser, wie aus Laubwänden mit Blumen durchflochten. Nur in der Regenzeit wurden die breiten Blätter eines dort wachsenden Baums darübergedeckt, sonst waren sie der Kühle wegen offen. Des Königs Pallast aber hatte nur Wände von eitel Blumen, die in außerordentlicher Höhe wuchsen. Flore war bezaubert, wie man in die Hauptstadt zog, und der Pallast ihr in die Augen fiel, und sie mit einem Meere von Wohlgerüchen umfloß.
Alles Volk war auf die Gasse gestürzt, tanzte frohlockend, und betrank sich in dem Thau, der hier von einer gewissen Gattung Rosen gesammelt, und in christallenen Fässern aufbewahrt wird. Der Rausch dieses Thaues bringt die allerlieblichsten Träume zuwege, jeder Greis wähnt wieder in die Jünglingsjahre zurückgeflohn zu seyn, und der ersten Geliebten den ersten Kuß auf die Lippe zu drücken.
Welch Land der Götter! rief Flore, und so teuflische Menschen! denn sie sah schon auf dem Pallastvorhofe das Gräuelvergnügen Seiner schwarzen Majestät, das zum Entzücken aller Treuen wieder angehoben hatte, seitdem die Nachricht von Musa’s Ankunft da war.
Wohl Hundert scheusliche vom Rumpf getrennte Negerköpfe lagen umher, und bei jedem gelungenen Streiche, erfüllte der Höflinge Jubel die Luft.
Doch wurde alles eingestellt, wie Musa’s Kameele angekommen waren. Flore konnte nicht erst, wie es der Sklavenhändler wünschte, in ein Haus, sich zu salben, sie mußte in den Kreis der Höflinge. In diesem Lande wurde Kleidung durchaus verspottet, und es wäre die gröbste Beleidigung des guten Anstandes gewesen, sich auch nur mit einem Feigenblatte vor dem Sultan zu zeigen. Ländlich, sittlich! Flore mußte, sich bequemen, und konnte nicht schnell genug die Toilette von Darkulla machen, indem Sultan Kuku schon daherschritt.
Welch ein Empfang gegen den in Darfur. Die Freude spannte jede Muskel, jede Fiber des Sultans Kuku. Der Jüngling (denn er zählte kaum zwanzig Jahre) sprang mit fast wahnsinnigem Wonnetaumel umher. Eine Stirn wie die Marmorfelsen am See des Pallastgartens! zwei Augen wie die Schlünde der Feuerberge in Bornu! Die Wölbungen drüben wie Himmelsbogen in der Regenzeit wenn sich die Gewölke verziehn! Ein Mund wie der Abendhimmel, wenn der Feinde Städte in Feuer aufgehn. Ein Busen wie zwei Kreideberge, die sich aus dem Silbersande der Wüste erheben, und was er nicht noch für Vergleiche ersann. Nur meine Gigi war schöner aber die Treulose wollte nicht sterben, ich vergesse sie. Gigi ist mir wiedergegeben. Tausend Sklaven her. Kaufmann, zücke den Säbel, und haue ihnen die Köpfe herunter. Ich will dich lohnen, wie kein Sultan in Afrika.
Ein wilder Freudenruf durchtönte die Lüfte. Lange lebe der Esel, der Sohn eines Esels, der Tausend Esel zeugen wird, der schöne, weise und mächtige Sultan Kuku! Denn wie in Darfur der Büffel für das Ideal der Vollkommenheit galt, so widerfuhr diese Ehre hier dem Esel. Da auch der Mahomedanismus noch nicht vollkommen eingedrungen war, und die alte Religion, welche Thiere anzubeten gebot, noch zum Theil vorhanden war, so gab es auch mehrere Tempel, wo der Esel angebetet wurde. Man mußte aber auch gestehn, daß dies Thier in Darkulla von ganz anderem Kolorit, und viel vollkommenerer Zeichnung war, wie in Europa. Meistens sah man eine milchweisse Haut, und die feinsten Verhältnisse aller Formen. Die Esel von Darkulla konnten ästhetische Esel heißen.
Kuku sprang wieder auf Floren los. Sultanin, rief er, wie mache ich Darkulla meine Lust kund, daß du angekommen bist. Soll die Residenz zum Freudenfeuer brennen? Gebiete, und Tausend Pechfackeln lodern. Sollen meine Soldaten eine Lustschlacht liefern, wobei die Hälfte fällt, die Hälfte verwundet wird? Befiehl, du bist neben mir Herrscherin!