Nach einiger Zeit schrieb Coutances, daß er sich im Stande fühle, ihm Vaterglück zu bereiten, doch würde er denselben Punkt feststellen, der vorhin dem Italiener bewilligt sei.
Froh war der Vater, daß sein Kind sich in des Franzosen Händen befand, er schlug gern ein.
Es muß nun erzählt werden, welche Mittel Coutances angewandt hatte.
Die Späher waren dem Italiener nachgeschlichen, und hatten so seine Wohnung entdeckt. Dieser ließ sich auf keine Weise beikommen, denn hohe Mauern waren zu übersteigen, die in ein Gehöft führten, unter dessen vielen Häuschen, denn bei Nacht das rechte sich nicht erkennen ließ. Dagegen berathete man, daß ohne Zweifel am Morgen eine Sänfte für Isabellen würde gemiethet werden, und besah den Weg, der zu nehmen war. Weil nun viele Sänften an einem nahen Eckplatze standen, so begab sich Michelet mit einigen Handwerkern in Holz, während der Nacht dorthin, und an der einen wurde der Fußboden losgemacht, unten aber mit einem Schieber versehn. Zugleich wurde ein Mechanismus angebracht, nach welchem von unten ein kleiner Zettel in die Sänfte zu bringen war, des Inhalts: Isabelle mögte nichts befürchten, wenn die Sänfte still stände, und der Boden sich nach unten öffnete, sondern sich muthig der Liebe vertrauen. Ihr Vater hätte sie dem Perotti als Gattin zugesagt, besser, sie erblickte jenen um einige Tage später, wie unter einer so schnöden Bedingung.
Nun hatte man sich zu der Brücke begeben, und mit so wenigem Geräusch als möglich, eine Fallthür gezimmert, die von Außen mit Staub beworfen, aber sehr genau bezeichnet ward. Als nun die Sänfte auf der Brücke anlangte, war das hindernde Getümmel durch bestochene Leute aus dem Pöbel erregt, bereit; und der verkleidete Michelet, mit einigen Landsleuten ruhte nicht, bis die Sänfte auf den rechten Punkt gedrängt war. Da wurde es nun das Werk einiger Minuten, Isabellen durch die Fallthür in die unter der Brücke harrende Gondel, in welcher sich Coutances mit zwei Freunden befand, zu schaffen. Allerdings hatte man auch alle übrigen Sänften weggemiethet, daß nur die rechte noch für Signor Perotti übrig blieb. —
Dieser schnob nun Wuth und Rache. Nimmer schwur er, soll der Franzose das Mädchen besitzen, und sollt ich mein halbes Vermögen aufwenden. Auch er that das seinige, den Aufenthalt desselben zu erspähn, wie dieser wieder keine Maasregeln versäumte, um das Mädchen zu sichern. Er schlief keine Nacht, sondern wachte mit Michelet auf das Sorgsamste. Da ihm des Consuls Antwort, Isabellens Besitz verhießen hatte, traf er Anstalten, sie ungefährdet in das väterliche Haus zu bringen. Man baute eigens eine geräumigere Sänfte, in welche er sich neben Isabellen setzen konnte. Michelet umgab sie mit mehr als zwölf Wächtern, und so trat man den Weg durch entlegene Gassen an.
So kam denn Isabelle zwar zu ihrem hocherfreuten Vater, und die Liebenden glaubten, in dem gutverwahrten Hause, und bei der zahlreichen Dienerschaft des Spaniers, nichts befürchten zu dürfen, demungeachtet war aber Isabelle am andern Tage wieder aus dem mit starken Gittern gesicherten Zimmer verschwunden, ohne daß jene oder die Thüren im mindesten zerstört gewesen wären. —
Land, Land, rief es hier, und die kleine Gesellschaft, die der Erzählung Coraims mit großer Theilnahme gehorcht hatte, sprang eiligst zum Verdeck hinauf. Seitdem man die Spitze der Insel Candia vor einigen Tagen erblickt hatte, und der Cours immer wieder nach Südost ging, war die Vermuthung allgemein geworden, Egypten sei das Reiseziel des französischen Heeres. Um desto reger hatte auch die Einbildungskraft gearbeitet, während der Türke erzählte.
Nun vergaß man ihn und Isabellen. Der Anblick jener weißen Küste, zog unwiderstehlich an. Von allen Seiten her schimmerten die Seegel, und die Fahrzeuge sammelten sich vor dem Thurm der Araber, unweit Alexandrien. Da man die Engländer vermuthete, nahmen die Kriegsschiffe eine Vertheidigungsstellung, während dessen bald vier bis fünftausend Mann gelandet wurden, die nach der Pompejussäule vormarschirten.
Der Feldherr, treu der Maxime des Tacitus: „Bei einer Entschließung, die erst vollführt Lob verdient, findet keine Bedenklichkeit statt!“ marschirte sogleich nach Alexandrien, nahm es mit Sturm ein, und verjagte die Mammelucken und Araber. Dadurch gewann man hinterwärts Sicherheit, und alle Truppen, und was zum Heere gehörte, konnten nun ans Land treten.