Lolo runzelte die Stirn und berichtete weiter: Nach einem uralten weisen Gesetze, greifen die Söhne des Sultans in dem Augenblicke seines Todes zu den Waffen, und der so glücklich ist, die andern zu erschlagen, besteigt den Thron.

So ist kein innerer Krieg zu befürchten, und der neue Regent erspart die Unterhaltung der Prinzen.

Pfui welche Barbarei! fiel Flore abermals ein.

Jener nahm wieder das Wort. Statt sonst die Könige bei uns zwanzig, dreißig Söhne zu haben pflegen, hinterließ Tilili nur zwei, Kuku und Tata. Tata sprach, ich will nicht um die Regierung kämpfen, lasse sie Kuku freiwillig. Kuku ließ ihn aus Dankbarkeit leben, und setzte ihm einen Jahrgehalt aus, obgleich die alten Räthe darauf drangen, ihm wenigstens die Augen oder Hände zu rauben.

„Gesegnet sei Kuku. O ich sehe, ihr seid schon reif, der Barbarei entzogen zu werden. Nur ein alter Rest von Vorurtheil pflegt ihrer noch, doch ich hoffe ihn zu tilgen. Weiter!“

Kuku ließ nun den Sklavenhändlern in allen Landen entbieten, er sei gewilligt, Weiber für seinen Harem zu kaufen. Man mögte also die schönsten von den Märkten in seine Hauptstadt liefern. Dazu suchte er selbst Hundert der lieblichsten Mädchen in Darkulla aus.

Die Dschelabs fanden sich ein, mit schwarzen, dunkelbraunen und gelben Schönheiten, und Kuku gab bald zweihunderten von ihnen die frohe Hoffnung, Mutter zu werden.

Flore hustete hier.

Allein immer war er noch nicht zufrieden mit seinem Harem. Er hatte gehört, daß es weit hinaus über Darfur an einem fernen Lande, Egypten genannt, ein breites Meer gäbe, und drüben über dem breiten Meere sollten Mädchen wohnen, weiß wie die Milch einer jungen Eselin, und roth wie der Blutstrom eines Enthaupteten.

„Welche abscheuliche Bilder! Euch umgiebt eine so schöne Natur, und doch so roher Sinn. Aber Kuku verglich doch schon mit mehrerem Geschmack. Kannst du nicht sagen, Mädchen, weiß wie das Gefieder der Turteltauben, und roth wie die frühen Boten der Morgensonne?“