Nach halb sieben Uhr hatte die Schlacht begonnen, schon währte sie anderthalb Stunden, aber trotz der so vortheilhaften Stellung der Engländer, und der nachtheiligen ihrer Feinde, war noch nichts entschieden. Doch um acht Uhr wurde der französische Admiral verwundet, und die Signale erfolgten unregelmäßiger. Noch eine Stunde des erbitterten Kampfes, und die Waage neigte sich wenig. Aber um neun Uhr ward Bruyes durch eine Kanonenkugel zerrissen, und die Unordnung im Commando begann, während dessen Nelson unverletzt blieb, und das große Werk fortregieren konnte. Hätte die Parze ihm das Loos geworfen, würde vielleicht der Ausgang ganz verändert gewesen sein. Um halb zehn Uhr genossen die Engländer den Triumph, das Admiralschiff der Franzosen in Brand gerathen, und eine Viertelstunde darauf es in die Luft fliegen zu sehn.

Dies feurige Schauspiel, das Lärmen und Prasseln in der Höhe, das Herabfallen vieler umhergeschleuderten Gegenstände, machten, daß des Streites Hitze eine Viertelstunde lang nachließ; dann erneute sich aber das rasende Getümmel bis zur Morgenröthe hin, und von dem Augenblicke an, wo Bruyes gefallen war, lächelte die Siegesgöttin der brittannischen Flagge. Neun ihrer Schiffe waren entmastet, mehrere hart beschädigt, aber die meisten französischen genommen, oder zerstört.

Beider Nationen Tapferkeit war sich gleich gewesen, Nelson hatte mehr Erfahrungsgeschicklichkeit gezeigt, wie Bruyes, aber überall hatte jenen das zufällige Glück auch wie einen erwählten Liebling umarmt. Ihm gebührt der Nachwelt Ruhm, doch dürfen jene Umstände nicht dabei verschwiegen werden, eben so wenig wie die so hartnäckige kräftige muthige Gegenwehr der Franzosen, fast zwölf Stunden lang.

Wer kann sich wohl der ernsthaftesten Bemerkungen bei dieser Schlacht enthalten?

Sie war viel mörderischer wie die von Actium, wo Cleopatra gleich davon segelte, und Antonius bald der Geliebten folgte. Jene entschied die Herrschaft der Welt unter Individuen sehr schnell, aber eine Geschichtsübersicht nach hundert Jahren wird vielleicht erst entscheiden können, ob die Schlacht bei Abukir nicht noch wichtigeren Ausschlag im Allgemeinen gab.

Nimmt man an, des Feldherrn Eilboten hätten den Seeherrn glücklich erreicht, und Bruyes die Flotte in den Hafen von Alexandrien geborgen, so gewann die egyptische Expedition ein anderes Ansehn. Die Franzosen blieben wenigstens stärker an Mannschaft und wie auch die Britten sich vor den Hafen stationirten, so konnten sie doch schwerlich durchaus hinderlich sein, daß nicht von den zahlreichen Schiffen der französischen Flotte hin und wieder bei guter Gelegenheit des Windes einige nach Frankreich ausgelaufen wären, und neue Hülfe an Truppen und Kampfmitteln zu den Ufern des Nils geschafft hätten. Das wäre um so eher der Fall gewesen, wenn Bruyes die Flotte vorerst nach Corfu oder Malta geführt hätte.

Wäre aber der Strom des Windes bei jener Schlacht den Franzosen freundlich gewesen, hätte die tödliche Kugel statt Bruyes Nelson erreicht, so liegt die Vermuthung nicht weit, daß jene den Lorbeer des Kampfes würden davon getragen haben. Dann spielten sie die Meisterrollen in den mittelländischen Gewässern, das egyptische Heer konnte leicht verdoppelt werden, Gizzar Pascha, späterhin so nachdrücklich von Sidney Smith unterstützt, wurde leicht überwunden, und die Hindernisse, welche man im Orient vorfand, verringerten sich. Die Pforte war gezwungen, einen Bund mit Frankreich einzugehen, Egypten, das reiche Land, eine Kolonie der neuen Republik, über welche sie ihr Domingo immerhin vergessen konnte.

Allein der große Mann, der die hochromantische, weitberechnete, im Charakter antiker Heldenzüge entworfene Unternehmung nach Egypten leitete, würde gehörig verstärkt, vielleicht die Angelegenheiten in Paris mit einiger Gleichgültigkeit behandelt haben, wenn sein Blick schon mehr wie einen Welttheil umfaßt. Er hätte Europens Kultur nach Afrika verpflanzt, die Zeiten der Ptolemäer in großen Unternehmungen wieder zurückgerufen, den Kanal von Suez hergestellt und den alten Handel durchs rothe Meer geleitet, den stolzen Britten in Bengalen angegriffen, ein Alexander am Ganges.

England hätte nur einen schwächeren Einfluß auf die europäischen Kabinette üben können, die Kriege wider Frankreich würden eingestellt worden seyn. Das in Gefahr schwache Direktorium hätte in unbedrängten Zeiten noch lange an der Geschäfte Spitze weilen können.

Doch die verlorene Schlacht von Abukir rief endlich den Helden zurück. Er ging nach Europa und ward Cäsar. Im Erdtheil der Kultur sollte er zuvor den Herrscherstab erheben, denn konnte er ihn mächtiger einst über die Meere tragen. Also ließ sein cäsarisch Glück die Armade von Egypten untergehn.