Sie gelangten nach einer vierzigstündigen Reise zu jenen zauberischen Gefilden bei Raschid, im Contrast gegen die durchwanderte Oede, um so reicher an entzückender Anmuth. Die Reisfluren wogten üppig, die Reihne dufteten von Blumen, Jasminen rankten sich am Wege hin, die Häuser der Dörfer waren durch Akazien, Datteln und Sykomoren verdeckt, nur die Tempelartigen Moscheen ragten aus dem frischen Grün empor. Die Gärten prangten mit Orangen- Feigen- und Granatbäumen. Fette Heerden weideten im hohen Gras und auf dem majestätischen Nyl wimmelte es von bunten Fahrzeugen. Ueberall rege Geschäftigkeit.
In Raschid ergötzte Floren ein egyptischer Postmeister höchlich. Der Mann hatte einige kleine Briefe zur Bestellung nach mehreren Orten empfangen, und nun stieg er auf seinen Taubenboden, hing verschiedenen der geflügelten Boten die Papierchen um den Hals, und ließ sie durch die Luft ihre Straße ziehn. Es langten auch einige andere an, die Billetdoux, oder was es sein mogte, überbrachten. Warum sucht man das nicht auch in Europa nachzuahmen? Die Geschwindigkeit der Beförderung ist doch angenehm.
Jetzt schifften sich die Reisenden auf dem Nil ein, und fuhren mit einem günstigen Winde gegen den eben nicht reissenden Strom. Flore hatte viel von den Krokodilen im Nil gehört, und wagte daher keinen Finger ins Wasser zu stecken, aus Furcht, eine dieser Rieseneidechsen mögte Appetit darnach verspüren. Man beruhigte sie aber durch den Bericht, daß seit dem Gebrauch des Feuergewehrs die Krokodile sich immer höher hinauf nach Oberegypten zurückgezogen hätten, wie sich überhaupt die gefährlichen Thiere des Landes immer mehr verminderten.
Ein befremdendes Schauspiel zog aller Augen auf sich. Viele Wasservögel schwammen ruhig auf der Fläche dahin. Nicht weit von ihnen wurde man aber mehrere große Kürbisse gewahr, die in den Strom geworfen zu sein schienen. Mancher Vogel nahte unbesorgt der Frucht. Eh man sichs aber versah war er gepackt. In den Kürbissen steckten nemlich Menschenköpfe, die Tauchern gehörten, welche sich dieses listigen Mittels bedienten, die Thiere unter dem Wasser an den Beinen zu erhaschen.
Schöne Landschaft im morgenländischen Charakter zu beiden Seiten der Ufer. Angebaute Terrassen, Kanäle zum Bewässern gegraben, viel Spuren des Fleisses aus dem hohen Alterthum, und merkwürdige Ruinen. Ueberall hing das Auge des Reisenden an ihm neuen Gegenständen.
Doch die Menschen waren zurückstossend. Schmutzige sonnenverbrannte Bauern, arabischer Herkunft, schwärzliche Kopten mit mißgestalteten Gesichtern und struppig krausem Haar. Der Stolz des Europäers regt sich auf, je weiter er gegen Süden reist, weil sich ihm die Bemerkung immerhin lebendiger wieder aufdrängt: nur im Norden habe die Natur menschliche Schönheit erzogen. Das erkennt auch der reiche Afrikaner an, und läßt Mädchen in Georgien und Cirkassien kaufen. Bei dem allen ist dem wahren Neger, eine Schönheit eigner Art nicht streitig zu machen; und in den indischen Kolonien (auch wohl zu London und Paris) zeigt der Weissen Lüsternheit ebenfalls eine Vorliebe gegen eine Haut, welche Poesie mit dem Ebenholz gleichen kann; doch was zwischen den Extremen liegt, kann nur dem rohen eingebornen Sinn gefallen.
Unter der Fortsetzung dieser Fahrt entdeckte man die Pyramiden von Gizah, wiewohl in einer Entfernung mehrerer Meilen. Bergen gleich ragten die Steinmassen empor. Die Sehnsucht, sie in der Nähe zu betrachten, konnte aber noch keine Befriedigung finden.
Endlich erreichte man Cairo, die größte der Städte in Afrika, es sei denn, daß dieses Welttheils noch unbekannte Mitte Oerter von weiterem Umfange birgt.
Viertes Kapitel.
Cairo.
Zu Bulak stieg man aus. Es ist eine an den Stromhafen gebaute Vorstadt. Schöner, könnte sie vielleicht mit den Umgebungen des alten Pyräus bei Athen verglichen werden, doch in der vorhandenen Häßlichkeit gebührt ihr eine solche Ehre nicht. Dagegen mögte das Gewühl vom Pyräus nach der Hauptstadt Griechenlands, wenn schon anständiger, doch nicht so bunt und mannigfach gewesen sein, wie das, was man auf dem Wege von Bulak nach Cairo antrifft, am meisten in der Art, wie unsere Reisenden es sahen.