Marquise. Hm —

Dupré. Der Chevalier bot mir dreißig Louisd’or, und beschwor mich, ihm das Kabinet von Zeit zu Zeit einzuräumen. Ich nahm vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit, und meldete Alles Madame.

Marquise. Sie erschrack!

Dupré. Heftig, heftig! Diesmal war ihr Frohsinn nicht anzuklagen. Sie lachte einen Augenblick darnach — aufrichtig, es war Grimasse. O es drang ein, tief ein. Bei dem allen befahl sie mir, die Goldstücke zu nehmen, mein Kabinet zu räumen und ja über ihr Mitwissen zu schweigen. Ich gehorchte. Unsre Verliebten sprachen sich auf diese Weise nun acht oder zehnmal in sechs Wochen. Und Madame — hochherzig — bekämpfte, beherrschte sich muthig wenn sie wollen — beschloß ihre Nichte dem Chevalier zu geben; nur will sie das Paar zuvor zwei oder drei Stunden durch Unruhe peinigen, Rache üben, an des Chevaliers Larve, Sophiens Verstellung.

Marquise. Und wie?

Dupré. Sophie, ohnehin der Tante flüchtig ähnlich, besitzt ein Sprachorgan, so übereinstimmend mit dem der Gräfin, daß es fast unmöglich wird, durch den gleichen Ton der Rede nicht hintergangen zu werden. Wir Hausgenossen erfahren das alle Tage.

Marquise. Schon errathe ich. Die Gräfin denkt Sophiens Platz einzunehmen —

Dupré. Unsre Intrigue! Die Ausführung naht schon. Der Chevalier kömmt diesen Abend ins Kabinet, Madame unterhält sich in Sophiens Namen.

Marquise. Lustig, neu — aber ich besorge manches. Der Chevalier, indem er Sophien vermuthet, kann über die Gräfin in den Tag hineinschwatzen.

Dupré. Wohl möglich, doch Madame lacht mit so viel Geist, verzeiht mit so viel Schonung, und die Empfindlichkeit, nur eine Minute in ihrem Gemüthe, flieht. Jetzt heiter, erlustigt sie das alles, statt sie zu entrüsten; auf vollkommne Nachsicht wenigstens, schwöre ich. Doch man kömmt, sie wird es sein —