Perotti kam in der übelsten Laune von der Welt im Lager an. Er hatte so schöne Träume geträumt, und war so übel davon erwacht. Zwar besaß er viele Schätze, denn es war ihm vergönnt worden, ein Kameel mit seinen Habseligkeiten zu beladen, und was er erpreßt, und durch Bestechungen gewonnen hatte, nahm darauf Platz; gleichwohl aber sah er wenige Sicherheit für den Reichthum voraus, und dem Kriegsruhm hatte er in Europa nimmer Geschmack abgewonnen, um wie viel weniger in dieser Erdgegend. Bei dem allen mußte er der Nothwendigkeit weichen, und es galt ihm nur, sich in die Gunst des Sultans zu schmeicheln.
Das geschah denn nach aller Kraft, es wurde Pulver verfertigt, auch Kanonen, ob sie gleich zu nichts taugten, als Schrecken einzujagen, was freilich schon viel taugen heißt, besonders wenn man schreckhafte Feinde vor sich hat. Kuku wollte ihm eine Unterbefehlshaberstelle bei den Truppen anvertrauen, die er aber demüthig verbat, und dafür antrug, die eines Feldhistoriographen anzuordnen, welche er mit nicht geringem Eifer zu versehn anfing. Dabei stutzte er Zeitungsschreiber zu, und ließ alle Tage ein Palmblatt ausgeben, worauf die Kriegsvorfälle geschildert wurden. Hatte ein Darkullaner einen Fluch oder Schimpf gegen die Beduinen ausgestoßen, so sprach diese Zeitung von der begeisterten Stimmung, die das ganze Heer durchglühe. Kriegslieder enthielt sie zu Dutzenden, sie wurden in der Expedition gut bezahlt, also fand sich alles damit ein, was nur in der Landessprache reimen konnte. Hatte ein Krieger in der Nacht Wer da! gerufen, hieß es in Perottis Zeitung: ein Ueberfall sey mit großem Verlust des Feindes zurückgeschlagen. Eine ausgeschickte Patroll wurde zum Scharmützel gemacht, und eine größere Zahl von Beduinen war auf dem Platze geblieben, als ihr Heer stark seyn konnte. Da sagte Kuku aber: du bist ein Narr mit deiner Zeitung, höre auf!
Bald darauf fiel des Sultans Geburtstag ein. Perotti machte, daß im ganzen Lager Gastmahle gehalten wurden, man streute Blumen, Raketen und Schwärmer stiegen am Abend leuchtend in die Höhe. Ueber dies Fest wurde eine eigne Schrift herausgegeben, worin man den Patriotismus und die Unterthanenliebe der Darkullaner bis zu den Wolken erhob. Kuku lachte aber gar sehr, wie er die Schrift sah, und sagte zu Perotti: also meinst du, ich soll an dem Darkullaner Tugenden des Unterthans erblicken, wenn mein Geburtstag ihm einen Anlaß giebt, sich bei Mahl und Fröhligkeit zu ergötzen? Nein, da will ich andre Beweise, am meisten in der nahen Schlacht. — So gescheut war Kuku.
Einmal lag Perotti in seinem Zelte. Schon war es tiefe Nacht. Da nahte etwas durch die Stränge, womit das Haus von Linnen befestigt war. Perotti horchte bange, und wollte eben nach der Wache rufen, als eine Stimme ihm leis zuflisterte: Sei ruhig, es naht ein Freund, der dir große Schätze nachweisen kann. Dies machte, daß der Italiener die Furcht überwand. Der Fremde kam ins Zelt. Ich bin von Gigi gesandt, sprach er. Sie weiß, daß Mehemed beim Sultan gilt. Liefere ihr die beiden Caffern Mustapha und Osmann lebendig in die Hand.
Mustapha? erwiederte Perotti, das wäre so unmöglich nicht, aber Osmann ist todt. Der Sultan hat ja sein Haupt abholen lassen.
Glaubst du das Mährchen auch? entgegnete die Stimme. Osmann lebt im Felsenlande.
Osmann lebt? lebt? fuhr Perotti auf.
„Gewiß.“
Und wie kömmt es, daß Gigi das weiß?
„Man schickte ihr einen Kopf, der Osmann gehören sollte, sie erkannte ihn aber falsch.“