Herr Cantor! rief man drinnen; Sie schieben.

Eilig watschelte August davon, und ließ den Freund stehn. Eduard zuckte die Achseln, und sagte: Er ist nun einmal nicht anders, und muß schon so verbraucht werden.

Lilienthal kam wieder zu mir. Es soll, nahm er das Wort, dem Cantor nicht an Geschicklichkeit fehlen; nur betrübt, daß er sich dem Trunk so leidenschaftlich ergeben hat! Es hieß schon einmal: er würde seine Stelle deshalb verlieren.

Ich fragte: »Ist er verheirathet?«

Gewesen, erwiederte Eduard; aber von seiner Frau geschieden. Sie war die Tochter des Rektors. Durch ihn kam er noch endlich zu dem Amt, das er sonst wohl nicht erlangt hätte.

Ich empfahl mich den alten Bekannten, ohne weitere Fragen zu thun, weil ich vor der Hand genug hatte. Schwermüthig über Zeit und Menschenloos nachsinnend, ging ich nach meinem Wagen, und fuhr in die Stadt.

Es sah artiger darin aus, als vordem. Einige neue, einige verschönerte Häuser, mehr Aufwand im Anzug der Bürgersleute, die mir auf der Straße zu Gesicht kamen, zeugten von vermehrter Wohlhabenheit. Doch späterhin erfuhr ich: es wäre nur mehr als sonst üblich, um schimmernde Außenseiten bemüht zu seyn; den alten ächteren Wohlstand habe der Krieg zerstört.

Ich ließ vor einem Gasthof halten. Als ich aus dem Wagen stieg, kam der Advokat Sauer aus der Thür. Er hatte am wenigsten gealtert, auch sich sonst eben nicht verändert; nur noch etwas grämlicher war das stets düstre schwammichte Gesicht geworden. Augenblicklich erkannte ich ihn, sagte ihm indeß nur eine flüchtige, kühle Höflichkeit; weil er mir ehedem nicht gefallen hatte.

Schwager, fiel er mir ins Wort; Schwager, kommt Ihr einmal wieder zu uns? Willkommen aus Sibirien.

Ich stutzte über die Anrede und den vertraulichen Ton. Nach einem betroffenen Schweigen erwiederte ich: »Schwager?«