»Ja, aber sage nur wen?!« erwiderte Bligger. »Ich hielt in Gedanken schon Brautschau für ihn, aber vergeblich. Für unsere jungen Burgfräulein ringsum ist er zu alt; in Heilbronn oder Heidelberg darf er sich nicht blicken lassen, und dazu, daß er auf Werbung im Reiche herumtraben sollte, bringen wir ihn erst recht nicht. Nur Eine wüßte ich, die er sich nehmen könnte, wenn er wollte und wenn sie wollte; das wäre –«

»Juliane Rüdt von Kollenberg, die stolze Burgfrau der Minneburg,« fiel Konrad ein und brach in ein schallendes Gelächter aus, in das Bligger herzhaft einstimmte.

Sie schüttelten beide den Kopf und schwiegen wieder, bis sie sich trennen mußten und einander gute Nacht wünschten. Als Bligger schon ein kleines Stück bergauf seiner Burg zugeritten war, hörte er von fern noch einmal das laute Lachen seines Bruders Konrad, das durch die Stille der Nacht zu ihm herüber tönte, und da mußte er auch wieder lachen, daß es der Bruder hören konnte, und siehe da, zu gleicher Zeit wieherte sein Roß, weil es sich auf den Stall freute; aber es klang, als wenn auch der Hengst des Ritters lachen müßte über den Gedanken, daß Junker Hans einmal Frau Juliane Rüdt von Kollenberg auf der Minneburg heimführen sollte.


Zweites Kapitel.

Noch in der Nacht nach seiner Rückkehr von Heidelberg machte Herr Bligger seiner edlen Hausfrau Katharina kurze Mitteilung von der Unterredung mit dem Rechtsgelehrten und seiner Absicht, einige befreundete Burgherren aus dem Neckartal zu einer Beratung über gemeinschaftliche Schritte in der Angelegenheit einzuladen; sie möchte sich auf eine gute Bewirtung der ritterlichen Gäste für übermorgen einrichten, im übrigen sich mit ihrer Wißbegierde bis zum nächsten Tage gedulden und ihn jetzt nichts mehr fragen, sondern ihn schlafen lassen.

Am anderen Morgen gleich nach dem Frühmahl ritt Konrad und bald darauf auch Ernst, Bliggers und Katharinas ältester, dreiundzwanzigjähriger Sohn, nach den benachbarten Burgen ab, um dort die Einladungen des Familienoberhauptes auszurichten. Bligger hatte den Sohn nicht eingeweiht, denn in Anbetracht des sehr innigen und vertrauten Verhältnisses, das zwischen diesem und Junker Hans bestand, fürchtete er, Ernst möchte seinem schwärmerisch geliebten Oheim einen Wink geben, infolgedessen Hans bei seinem eigenwilligen Wesen durch irgendein unberechenbares Widerspiel Bliggers Pläne kreuzen, vielleicht ganz vereiteln könnte. Ernst mußte nach dem ihm gewordenen Auftrage glauben, daß es sich um die Verabredung einer größeren, gemeinsamen Fehde handelte, die vorläufig noch in tiefes Geheimnis gehüllt bleiben müßte.

Als die beiden Ehegatten allein waren, nahmen sie das in der Nacht abgebrochene Gespräch wieder auf, und Frau Katharina begann: »Also hat uns der wackere Jude mit seinen Mitteilungen über jenes unerhörte Recht oder Widerrecht doch nicht getäuscht, und wir können ihn wohl heute seines Weges ziehen lassen mit seinem Knaben.«

»Nein, noch nicht!« entgegnete Bligger. »Ich habe schon mit ihm gesprochen, daß er noch hier bleiben soll; denn ich habe so eine dunkle Ahnung, als könnte er uns in unserer Fürsorge für Hans noch gute Dienste leisten, wenn ich auch noch nicht weiß, in welcher Weise.«