Hans war seelenfroh, als er den Weg von der Minneburg hinabritt. War auch nicht alles so gekommen, wie er es sich gewünscht und gedacht hatte, so konnte er doch mit diesem ersten Erfolge seiner Bemühungen um die Wiedergewinnung von Julianens Gunst vollauf zufrieden sein und glaubte sich zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Wäre er kühner gewesen, so wäre er vielleicht weiter gekommen, sagte er sich. Allein er hatte wohl gemerkt, wie Juliane vor der erinnerungsvollen Stelle am Kredenztische zurückwich. Sie wollte also nicht im Sturm genommen sein, sie wollte geworben werden, und er durfte ja wiederkommen, so oft er wollte. Das sollte sie ihm nicht zweimal sagen; das nächste Mal würde sie schon zutraulicher, schon hingebender sein. Damit tröstete er sich und freute sich darauf, seinem Bruder Bligger die völlige Versöhnung mit Juliane verkünden und ihren baldigen Besuch in Neckarsteinach anmelden zu können.
In seiner Herzensfreude stimmte er, sein Pferd bergab scharf im Zügel haltend, ein Lied an, daß es unter den Buchenwipfeln schallte und hallte. Als er aber unten im Tale angekommen und in die Landstraße einlenkend um die Ecke bog, brach er mit dem Singen jäh ab, denn er stieß fast Roß gegen Roß auf einen andern daherkommenden Reiter, in welchem er den Ritter Bruno von Bödigheim erkannte.
Beider Blicke verfinsterten sich bei der unvermuteten Begegnung, und jeder hielt sein Pferd an, ohne dem andern auch nur eine Spanne breit Platz zu machen.
»Also Ihr seid der seltene Vogel, der von der Minneburg heruntergezwitschert kommt, Herr Landschad von Steinach!« begann der Ritter höhnisch. »Das Lied hat wohl Frau Rüdt von Kollenberg ihrem Papegan so lange vorgepfiffen, bis er es endlich begriffen hat?«
»Ganz recht, Herr Bruno von Bödigheim,« entgegnete Hans; »habt Ihr auch die Worte verstanden? Sie erzählen von dem Ritter mit der stumpfen Lanze, der in die Schranken kam, als das Stechen vorüber und der Turnierdank von der schönsten Hand grade vergeben war.«
»Wen meint Ihr mit dem Ritter mit der stumpfen Lanze?« frug Bödigheim, fast berstend vor Grimm und Eifersucht.
»Den kennt Ihr nicht?« lachte Hans. »Dann reitet nur schnell hinauf und laßt Euch von Frau Rüdt einen Spiegel geben, wenn Ihr ihn sehen wollt! Den Dank freilich seht Ihr nicht mehr, den hat sich schon ein anderer geholt.«
»Rühmt Ihr Euch des Minnedankes von Frau Rüdt von Kollenberg?«
»Gegen Euch gewiß nicht!« gab ihm Hans zurück. »Aber spart die Mühe! für Euch hängt ihr Kranz viel zu hoch, und wer danach greift, dem schlag' ich den Schädel ein!«
»Landschad, wollt Ihr meine Lanze zwischen den Rippen fühlen?« knirschte Bödigheim.