Der Abend kam heran, ehe Hans zurückkehrte; doch Ernst konnte den Oheim nicht mehr sprechen und erfuhr nur von seinem Vater, daß die Angelegenheit mit dem Walde zu allseitiger Zufriedenheit erledigt und die völlige Versöhnung mit Frau Rüdt von Kollenberg auf dem besten Wege wäre; er könnte nun nach der Minneburg reiten, so oft es ihm beliebte. Die Worte waren seinen Ohren eine Musik, die ihm bis ins Herz hinein klang und sein Verlangen aufs äußerste steigerte, sich von Ohm Hans erzählen zu lassen, wie sich alles zugetragen hatte.
Am andern Morgen früh genug, um sicher zu sein, daß Hans nicht etwa schon wieder Gott weiß wohin entschlüpft war, begab sich Ernst zu ihm auf Burg Schadeck.
»Kommst du, mein Bursch?« tief ihm Hans fröhlich entgegen, »meinst wohl, ich hätte es nicht ohne dich fertig gebracht auf der Minneburg? Oh! was du dir denkst! Oder willst du mich nun auch ausholen wie gestern abend dein Vater schon getan hat? Was ich gesagt hätte, und was sie gesagt hätte, was ich darauf entgegnet, und was sie dann wieder geredet hätte; das ging in einem so fort, als ob ich auf der Streckleiter läge, und er zog immer schärfer an und frug und frug, daß ich gar nicht mehr wußte, was ich antworten sollte.«
»Die Hauptsache weiß ich, Ohm Hans,« erwiderte Ernst; »aber du mußt mir nun ausführlich erzählen, was du auf der Minneburg alles erlebt hast.«
Dazu ließ sich denn der gutmütige Hans auch herbei; aber er machte es seinem Neffen gegenüber ebenso, wie er es gestern seinem Bruder gegenüber gemacht hatte: er sagte ihm soviel, wie er mitzuteilen für gut fand, und behielt das Beste für sich.
»Waren die drei Fräulein bei eurer Verhandlung zugegen?« frug Ernst.
»Nein; Sidonie nahm ihre beiden Freundinnen gleich mit sich aus dem Zimmer; ich habe sie nur flüchtig gesehen,« erwiderte Hans.
»Aber doch auch gesprochen?«
»Nur kurz bei meiner Ankunft und beim Abschied,« sagte Hans; »sie waren munter wie Eichkätzchen.«