»Wie wäre es denn, hochwürdiger Herr, wenn ich Euch kurze Auszüge von einigen der verwerflichsten Stellen des Buches machte, die Ihr einstecken und mitnehmen könntet?« erbot sich der schamlose Ränkeschmied.
»Ein vortrefflicher Vorschlag, Wilfred!« rief der Prälat frohlockend. »Ich müßte sie freilich bis morgen früh haben, weil ich dann abreisen will.«
»Heut abend noch, hochwürdiger Herr! aber wo und wie soll ich sie Euch ohne Zeugen einhändigen?«
»Hm! weißt du was?« flüsterte der Abt. »Wenn ich heut abend mit den gräflichen Herrschaften bei Tisch sitze, schleichst du dich hier ein und legst mir das Schriftstück in mein Bett unter den Pfühl zu Häupten. Verstehst du?«
»Optime, hochwürdiger Herr! so werd' ich's machen,« versprach Wilfred.
»Habe Dank, Wilfred!« schloß der Abt die Unterredung, dem schändlichen Zwischenträger die Hand reichend, »und wenn du einmal eine Bitte hast, die ich erfüllen kann, so wende dich an mich, sollst ein offenes Ohr bei mir finden.«
Wilfred ging ab und lachte sich draußen ins Fäustchen: »Das wird eine Wirkung tun, von der sich der gelehrte Ritter nichts träumen läßt, und damit wird mein armes Füchslein gerächt.« –
Abends war der geistliche Herr wieder in der heitersten Laune und unterhielt mit dem Vorbringen mancherlei drolliger Erlebnisse seine Tischgenossen aufs angenehmste.
Er konnte wohl aufgeräumt sein, hatte er doch zur Bekämpfung und Unterwerfung des unkirchlichen Freidenkers eine scharf geschliffene Waffe schon so gut wie in der Tasche.