»Hatten gar nichts erwartet, nicht wahr?«
»Es schien mir in der Tat so,« gab Ritter Dowald zu ohne den Sinn dieser fast beleidigenden Frage zu verstehen.
»Nun aber bitte ich Euch, Eurem Schreiber den jugendlichen Schelmenstreich nicht nachzutragen,« schloß er.
»Deswegen könnt Ihr ruhig schlafen,« erwiderte der Graf. »Dieser jugendliche Schelmenstreich, wie Ihr die Beraubung harmloser Wanderer mit gewohnter Milde nennt, wird wohl nicht der einzige von ihm verbrochene sein. Er hat aus seiner Vagantenzeit gewiß mehr solcher Stücklein auf dem Kerbholz, von denen ich nichts weiß und nichts wissen will.«
»Recht so, Graf Hoyer! wir sind doch auch einmal jung gewesen.«
»Ja freilich! und Ihr seid es beinahe noch, so tapfer und geschäftsklug habt Ihr Euch bei dem Handel benommen,« sprach der Graf mit anzüglichem Tone.
Dowald fühlte den ihm versetzten Stich und schwieg. Ihm ward durch diese recht deutliche Anspielung doch allmählich klar, daß er sich mit der Erzählung der abenteuerlichen Begebenheit in ein sehr ungünstiges Licht gerückt hatte.
Auch die anderen saßen unter diesem Eindrucke eine Weile stumm da, bis Gräfin Gerlinde das Gespräch wieder aufnahm mit der Frage: »Habt Ihr bei Eurem unverhofften Wiedersehen mit dem ehemaligen Strichvogel die Erinnerung an jenes erste Zusammentreffen aufgefrischt, Herr Ritter?«
»Nur ganz beiläufig erwähnten wir es unter uns, gnädigste Gräfin,« erwiderte Dowald verlegen, nun auch noch in dem erwachenden Bewußtsein seines Wilfred gegenüber begangenen Wortbruches, da er doch Verschwiegenheit gelobt hatte. Um weiteren Erörterungen über den heikelen Gegenstand vorzubeugen, wandte er sich schnell an Eike und sagte: »Mit Eurem Gesetzbuche könntet Ihr übrigens ein gutes Werk tun, Herr von Repgow.«