Mittlerweile war die Dämmerung immer stärker geworden, in der die vielen Tausende von weißen Blüten an den Fruchtbäumen noch hell schimmerten wie kleine, in die Kronen gehängte Lämpchen. Am Himmelszelt blinkten schon einzelne Sterne, zu denen sich allmählich mehr und mehr gesellten. Ein Knecht des Gasthauses steckte in die Ringe der im Garten aufgestellten Pfähle lange brennende Kienspäne, die im nächsten Umkreise eine spärliche Beleuchtung spendeten. An den Biertafeln war es stiller geworden, denn einer nach dem andern der vorher so lauten Gäste hatte sich sacht davongeschlichen zu dem Strohlager, das ihnen für mehrere gemeinsam in den Schuppen bereitet war.

Eike blickte zu den Sternen empor und sprach: »Es ist klarer Himmel, wir werden morgen einen guten Tag haben zu unserer Weiterreise.«

»Wie sagtest du?« fragte der Graf mit einem halb unterdrückten Gähnen.

»Es war nur eine Bemerkung über das Wetter,« erwiderte Eike. »Ihr seid müde, Herr Graf; wollt Ihr nicht zur Ruhe gehen? ich trinke den Krug hier noch aus.«

»Hast recht, Eike; ich bin müde,« mußte der Graf zugeben. »Es ist gestern spät geworden bei dem Taufschmause. Der Halberstädter Domherr Konrad von Alvensleben fand, als wir Männer unter uns waren, bis tief in die Nacht hinein kein Ende mit seinen lustigen Geschichten und Schwänken. Nur eines möchte ich noch wissen, ehe ich schlafen gehe. Du erwähntest vorhin ein großes Werk, über das du Walter von der Vogelweide hättest um Rat bitten wollen. Was planst du denn für ein Werk?«

»Herr Graf, heute nichts mehr davon!« entgegnete Eike. »Wir sehen uns wohl morgen noch, bevor wir voneinander scheiden.«

»Doch, sag' es mir! sonst grübele ich darüber und schlafe trotz aller Müdigkeit nicht ein.«

»Nun denn, – ich plane ein neues, einheitliches Gesetzbuch für ganz Sachsenland.«

»Eike! Eike! ein einheitliches Gesetzbuch für ganz Sachsenland?! Wie meinst du denn das?«

»Morgen, Herr Graf, will ich Euch Rede stehen.« Damit lehnte Eike jede weitere Auskunft heut abend entschieden ab. Sie erhoben sich beide und schüttelten sich die Hände zur guten Nacht. Der Graf begab sich in das Haus und murmelte vor sich hin: »Ein Gesetzbuch für ganz Sachsenland! ein verwegener Gedanke!« –