»Irma!« begehrte Gerlinde empört gegen die Spötterin auf, »wenn du das ein kurzweiliges Minnespiel nennen kannst, so begreifst du den furchtbaren Ernst meiner Lage nicht, in der ich mich verzweifelnd abquäle, in der ich mit mir ringe und kämpfe, daß es fast über meine Kräfte geht. Ich ertrag' es nicht länger, und –« Stürzende Tränen erstickten ihre Stimme.

Nun endlich sah die leichtherzige, aber keineswegs gefühllose Freundin, daß es sich hier doch um eine echte, große Liebe handelte, eine Angelegenheit so verhängnisvoller Art, daß guter Rat dabei teuer war. Sie zog die Weinende in ihre Arme und redete ihr tröstlich zu: »Ruhig, Linde, ruhig! ihr werdet euch beide schon auf den richtigen Fuß miteinander zu stellen wissen. Suche eine offene, trauliche Aussprache mit dem Ritter, damit ihr eine Form des Umganges findet, an dem ihr eure Freude haben könnt. Ich kann mir denken, was du dagegen einzuwenden hast, aber jetzt nichts mehr davon! Du bist schon aufgeregt genug. Komm hinaus ins Freie, laß dir vom frischen Herbstwind die heißen Wangen kühlen und schöpfe Atem, gewinne Ruhe. Komm! wir gehen auf den Altan.«

Das taten sie. Auf dem Altan sagte Gerlinde: »Hier war es, wo uns Eike von Repgow zuerst Plan und Inhalt seines Buches offenbarte; nie vergesse ich jenen Frühlingsabend.«

Dann standen sie an der Brüstung und schauten sinnend in das friedliche Tal hinab. Was der Wind Gerlinde in die Ohren raunte, verriet sie nicht.

Statt Eike durch Folkmar zum Mittagessen rufen zu lassen, holten ihn die beiden Grafen selber aus seinem Zimmer dazu ab.

Schon über diese ihm erwiesene Ehre war er hoch erfreut, noch weit mehr aber über die ihm vom Grafen von Mansfeld zuteil werdende Anerkennung seines unbeirrten Strebens, Rechtseinheit im Sachsenlande zu schaffen.

»Kann ich Euch bei Eurer schwierigen Arbeit einen Dienst oder irgend welche Hilfe leisten, Herr von Repgow, so bitte ich, über mich zu verfügen,« schloß Graf Burkhard seine Begrüßung, während er Eikes Hand fest in der seinen hielt.

»Ich danke Euch, Herr Graf!« erwiderte Eike. »Euer Einverständnis mit meinem Unternehmen ist mir eine große Genugtuung.«

Graf Hoyer aber sagte: »Welch eine Schicksalsgunst ist es für mich, Eike, daß wir uns im Gasthaus am Scheideweg getroffen haben! du machst den Falkenstein zu einem über das ganze Reich hin leuchtenden Gipfel der Gerechtigkeit, wie sich mein Jugendfreund vorhin mir gegenüber so ungefähr ausdrückte, und dabei weiß er noch gar nicht, wie sehr du mir und meiner Frau das Leben durch deine Gegenwart verschönst und erheiterst. Am liebsten ließe ich dich nie wieder fort von hier.«