Egenolf, dessen Gedanken halb von Liebesglück erfüllt waren und halb von Sorge, wie er es seinem Vater beibringen sollte, wurde immer lebhafter und fröhlicher in der Unterhaltung, wobei er dem Weine fleißiger zusprach als sonst.

Isabella setzte ihn in nicht geringe Verlegenheit mit der Frage, wo er den ganzen Morgen gesteckt hätte, Hans Loder wäre dagewesen und hätte ihn sprechen wollen.

»Hans Loder?« sagte Egenolf ohne auf die Frage nach seinem Verbleib zu antworten, »was wollte der von mir?«

»Ich traf ihn draußen auf der Brücke,« erwiederte Isabella. »Er frug erst nach dem Vater und dann nach Dir, war mißmuthig und wollte nicht mit der Sprache heraus, welches Anliegen er hätte. Als ich jedoch in ihn drang, gestand er mir, er wäre sehr unzufrieden darüber, daß Du Seppele von Ottrott aus dem Thurme befreit hättest.«

»Das habe ich doch auf des Vaters Befehl gethan.«

»Das sagte ich ihm, aber er behauptete, das käme auch dem Vater nicht zu, das wäre ein unerlaubter Eingriff in sein Richteramt und eine Beeinträchtigung seiner Gewalt als Pfeiferkönig, die er sich nicht gefallen ließe. Er würde sich den Seppele wieder herholen und ihn nicht eher von Handen lassen, als bis er die ihm zugesprochenen neun Tage Haft abgesessen hätte. Kurzum, er war sehr unwirsch.«

»Der Hans hat also einen gefährlichen Groll auf mich,« lachte Schmasman. »Ich glaube, der wäre im Stande, seinen gnädigen Schutz- und Lehnsherrn selber einzusperren, wenn ich mich von ihm einsperren ließe.«

»Er kommt vielleicht heute Nachmittag wieder,« fügte Isabella noch hinzu.

»Da trifft er mich wieder nicht,« sagte Schmasman. »Ich muß heute Nachmittag hinauf nach Hohrappoltstein und Giersberg, weil ich mit meinen Brüdern zu reden habe.«

Diese Ankündigung machte nun einen Strich durch Egenolfs Rechnung. Wenn sein Vater nach Giersberg ging, konnte er nicht dahin und mußte seinen Besuch bei Imagina auf morgen verschieben. Einestheils war ihm dies sehr unlieb, denn er brannte darauf, sich gegen Imagina auszusprechen; anderntheils aber getröstete er sich damit, daß sein Vater den Oheimen vielleicht eine wichtige Neuigkeit mitzutheilen hätte, die er, Egenolf, dann hoffentlich morgen von Imagina erfahren würde.