»Nein, der denkt viel zu gut von Euch.«
»Seht Ihr? der kennt mich.«
»Nein, der kennt Euch leider nicht, aber ich, ich kenne Euch.«
»Und denkt schlecht von mir?«
»Ja! ganz schlecht, grundschlecht, nun wißt Ihr's. Empfehle mich Euer Gnaden!« und fort war sie.
»Racker!« brummte Burkhard, »verflucht schlaue Kröte, und dabei so hübsch, so niederträchtig hübsch!«
Die Gäste waren vollzählig versammelt bis auf Egenolf, nach dem schon Dieser und Jener gefragt hatte. Junker Bruno von Rathsamhausen erhielt auf seine Erkundigung nach dem Freunde von dessen Vater den Bescheid: »Ich wundere mich ebenso wie Du über das lange Ausbleiben meines Sohnes. Er war in den letzten Tagen ganz versessen auf die Jagd, und ich fange allmählich an zu fürchten, daß ihm ein Unfall zugestoßen ist; sonst müßte er schon hier sein.«
»Nein, Herr Graf!« sagte Bruno, »das fürchte ich nicht, dazu ist Egenolf ein zu tüchtiger Waidmann.«
»Hast Recht, Bruno!« erwiederte Schmasman, »also warten wir's ab, bis es ihm gefällt, sich einzustellen.«
Jetzt ertönte der Klang einer Glocke zum Zeichen, daß die Messe, die der Abt von St. Pilt in der Schloßkapelle feiern wollte, ihren Anfang nehmen sollte, und die Gesellschaft schickte sich an, sich in das nahebei belegene Sanctuarium zu begeben. Da jedoch die Kapelle nicht sämmtliche Anwesende aufnehmen konnte, blieben die jüngeren nebst einigen älteren Herren, die sich aus der Feierlichkeit nicht viel machten, in den Gemächern zurück, und bald hörten sie dort den Gesang der Chorherren, dem sie schweigsam und mehr oder weniger andächtig lauschten.