»Geht Ihr immer in so bescheidener Tracht auf die Pirsch wie neulich?«

»Ich wüßte nicht, warum ich es nicht thun sollte,« erwiederte er.

»Habt Ihr heute etwas getroffen?« fragte sie weiter.

»Einen starken Wolf hab ich erlegt, dem ich drei Tage lang nachgestellt habe und den ich heute durchaus haben wollte,« gab er ihr ruhig zur Antwort.

»Ihr – einen Wolf geschossen?« sprach sie mit einem ungläubigen Lächeln. »Nun, Waidleute lieben es ja wohl, allerhand Märlein zu erzählen,« fügte sie schalkhaft hinzu.

Er verstand ihre Anspielung auf seinen vor ihren Augen gethanen Fehlschuß, ließ sich aber nicht aus der Fassung bringen und erwiederte: »Aber manchmal sprechen sie auch die Wahrheit.«

»Wirklich? nun so sagt mir doch, warum Ihr Euch dort im Walde mir nicht zu erkennen gegeben habt.«

»Weil ich mir zu gut in der Rolle eines Rappoltstein'schen Knechtes gefiel, dem Ihr erlaubtet, das Knie vor Euch zu beugen, damit Ihr wieder in den Sattel kamet, gnädige Gräfin!«

»Glaubt Ihr im Ernst, Herr Graf, ich wäre nicht auch ohne Eure Hilfe vom Boden aus in den Sattel gekommen, wenn ich gewollt hätte? Mit leichtem Sprunge wäre es gethan gewesen; ich bin geübt darin.«

»Und glaubt Ihr, ich hätte keinen Stein zum Aufsteigen für Euch gefunden, wenn ich einen hätte finden wollen?«