»Du scheinst ja schon ziemlich genau über die Familienverhältnisse hier unterrichtet zu sein,« lachte der Graf. »Imagina, das ist die hübsche Blonde, die so munter plaudern und so silberhell lachen kann, die Gemahlin Kaspars, des jüngsten Rappoltstein? richtig! Übrigens,« fuhr er fort, »hat uns der älteste, Schmasman, zum Pfeifertag nach Rappoltsweiler eingeladen.«

»Zum Pfeifertag? was ist das?« fragte Margarethe.

»Die fahrenden Leute im ganzen Elsaß,« erklärte ihr Graf Oswald, »haben schon vor mehr als hundert Jahren eine Bruderschaft unter sich geschlossen, die sich vom Hauenstein im Jura bis zum Hagenauer Forst und von den Firsten des Wasigen bis zum Rhein erstreckt. Sie haben ihre eigenen Privilegien und Satzungen, die ihnen Kaiser Karl IV. urkundlich bestätigt hat. Immer der älteste Graf von Rappoltstein ist ihr Schutz- und Lehnsherr, und sie haben einen Pfeiferkönig, der selber Spielmann sein muß und dem sie unterthänig und unbedingt gehorsam sind. Jährlich am Tage von Mariä Geburt – denn die Jungfrau Maria vom Dusenbach ist ihre Schutzheilige – feiern sie in Rappoltsweiler ein großes Fest, bei dem sie sich Alle versammeln und auch Gericht über sich halten. Dazu hat Schmasman uns und mehrere unserer heutigen Gäste eingeladen.«

»Du hast doch zugesagt?«

»Selbstverständlich und mit Freuden!« bestätigte Graf Oswald. »Das ist eine gute Gelegenheit, mich dem gemeinen Volke zu zeigen und auch unsern werthen Standesgenossen meinen Rang und meine Stellung etwas deutlicher vor Augen zu führen, als ich dies heute vermochte.«

»Vorsichtig, Oswald!« rieth Gräfin Margarethe, »wir sind noch neu unter ihnen, und Du kennst sie noch zu wenig.«

»Mich kennen sie auch noch nicht; darum sollen sie mich nun ehestens kennen lernen,« erwiederte der Graf gereizt.

Danach sprachen beide kein Wort mehr, denn ein nach den Anstrengungen des Tages wohlverdienter Schlaf schloß ihnen Mund und Augen.