»Erwiesen ist nichts bis auf das Falschblasen und die Prügel,« antwortete einer der Weibel.
»Nein, aber es scheint, sie sind sich gegenseitig nichts schuldig geblieben,« meinte der zweite.
»Ja, das ist Gurr wie Gaul,« lachte Syfritz, der dritte, »ein Barbier schneid't dem andern die Haar.«
»Die Prügel müssen wir ihnen ankreiden,« schloß der vierte.
Loder entschied: »Muffel, ein Spielmann, der mit Willen falsch bläst, ist in meinen Augen ein erbärmlicher Wicht. Die Prügel hast Du verdient, und ich will sie Dir als Strafe anrechnen. Aber als abscheuliches Beispiel und zur offenbaren Warnung vor Deiner gefährlichen Clarete sollst Du zwei Wochen lang mit verkehrt angezogenem Wamse laufen, das Futter nach außen, damit man den Vogel gleich an seinen Federn erkennt. Ihr andern Drei büßt für den Schlagfrevel jeder zwei Pfund Wachs an die Kapelle unserer lieben Frau vom Dusenbach; damit werdet ihr wohl begnügig und zufrieden sein. – Nun?«
Der älteste Weibel erhob sich und rief: »Seppele von Ottrott! – – Seppele von Ottrott zum zweiten! – – Seppele –«
»Komme schon!« tönte es aus der Menge, und Seppele trat mit seiner Laute vor.
»Seppele,« begann Loder, »Du bist wieder desselben Schabernacks wegen angeklagt wie voriges Jahr, wo Du drei Tage dafür im Loch gesessen hast. Es ist männiglich kund, daß Du als vielbeliebter Sänger und Spielmann in allen Schenken freien Trunk hast, nur nicht beim Falkenwirth in Grendelbruch; um welch einfältiger Ursach willen' weiß ich nicht. Um Dich dafür, daß Du Deine Zeche bei ihm bezahlen mußt, an ihm zu rächen, hast Du ihn in bösen Leumund gebracht und hast, ihn in seinem Gewerbe zu schaden, überall das Geschrei herumgetragen, der Falkenwirth fälschte und verwässerte seinen Wein und müßte dieser unmenschlichen Sünde wegen dermaleins ewig in der Hölle brennen. Das wirst Du wohl nicht leugnen wollen.«
»Bei Leibe nicht!« erwiederte Seppele, »das ist die reine Wahrheit. Wie soll denn ein Wirth in den Himmel kommen, der unserm Herrgott die Kunst abgeluchst hat, aus Wasser Wein zu machen?«