»Das Urtheil ist gefällt,« sprach Loder. »Ich entscheide hier als Richter weder um Liebe noch um Leid und um keines der Dinge, die Sonne oder Mond bescheint. Niemand hat mir dreinzureden, weder Bischof noch Bader.«
»Oho! Ihr vergeßt, mit wem Ihr sprecht.«
»Durchaus nicht, ich weiß, daß ich es mit dem Herrn von Rathsamhausen zu thun habe. Man kennt den Herrn am Gesind wie das Wetter am Wind.«
»Ich frage noch einmal: nehmt Ihr mein Angebot an? besinnt Euch wohl!« kam es drohend von Burkhards Lippen.
»Da ist nichts zu besinnen, ich nehme es nicht an, und damit hat die Sach ein Ende, ich stehe Euch nicht mehr Rede.«
Burkhard wandte sich, in blitzblauem Ärger einen Fluch murmelnd, ab und schritt der Herberge zu, das Satteln seines Pferdes zu bestellen.
Jetzt trat der älteste Beisitzer vor den Tisch des Richters und meldete: »Pfeiferkönig, die Sonne ist untergegangen.«
Loder erhob sich und sprach, allem Volk vernehmlich: »Liebe Gesellen, die Sonne ist untergegangen, Jedem ist Recht und Keinem ist Unrecht geschehen, ich schließe das Pfeifergericht. Friede sei mit euch Allen, hier und dort, unter Dach und unter freiem Himmel, allzeit und allwege!« Dann nahm er die Krone vom Haupte und legte den Mantel ab, beides dem Weibel in Verwahrung gebend.
Die Menge blieb noch auf dem Platze, in froher Unterhaltung durch einander wogend. Loder wurde von manchem Fahrenden angesprochen, und mancher warme Händedruck ward ihm zu Theil. Dann ging auch er zur Herberge, wo soeben Burkhards Pferd gesattelt vorgeführt wurde. Er nahm es dem Knecht ab und sagte: »Geh nur, Schackebel, ich werde dem Herrn von Rathsamhausen den Bügel halten.«