Harl. Vortrefflich!
Peter. Das ist des Henkers Comödie.
(Gehn ab.)
Isabelle und Valer.
Isabelle. Nein, mein werthester Graf, so schmeichelhaft es mir auch ist von Ihnen geliebt zu werden, und so sehr ich von Ihren rechtschaffenen Absichten überzeuget bin, so wenig finde ich mich vermögend Ihnen meine Hand zu geben. Mein Schicksal hat mich einmal auf die Schaubühne geführt; ich bin der Welt nichts mehr als eine Comödiantinn; und ich müßte Sie, mein werthester Graf, minder hochschätzen und minder lieben, wenn ich in Ihre Verbindung einwilligen und uns Beyde beschimpfen sollte: Sie, daß Sie Sich so weit herablassen und mich, daß ich einen Mann genommen, der so wenig Empfindung und so wenig Zärtlichkeit gegen seine eigne Ehre gehabt hatte.
Valer. Großmüthige Isabelle, je edler Sie Sich zeigen, je weniger ist es mir möglich Ihren Befehlen zu gehorchen. Ich kann ohne Sie nicht leben. Mein ganzes Glück beruhet auf unsre Verbindung. Das Recht ist auf der Seite der Tugend, der Schönheit und der Liebe. Vorurtheile dürfen uns nicht irre machen.
Isabelle. O! es giebt ehrwürdige, heilige Vorurtheile; und die Wahrheit muß sich oft erst in unsre eigne Meynung, in unser Vorurtheil verwandeln, ehe sie ihr Recht behaupten kann.
Valer. Aber Ihre Geburt ist der meinigen nicht ungleich. Sie sind von guter Familie, und daß das Schicksal Sie auf die Bühne geführt--
Isabelle. Nichts mehr hievon. Sie wissen, wie die Welt denkt. Sie wissen, mit welchen übeln Vermuthungen sie diejenigen verfolgt, welche sich der Bühne widmen, und es sollte mir ewig leid seyn, als Comödiantinn einen Mann zu beschimpfen, den ich als Prinzessinn glücklich zu machen wünschte.