Obgleich sie die Sonne von außen verbrannt.

Was ihnen der König des Himmels gegeben,

Ist keinem als ihnen nur selber bekannt.

Chr. Fr. Richter.

Erstes Kapitel.
Des Autors Stand und Herkommen.

Es ist aber ein großer Gewinn, wer gottselig ist und lässet ihm genügen.

1. Tim. 6, 6.

Seit alten Zeiten ist’s geschehen, daß jezuweilen merkwürdige Männer eigenhändig ihre Erlebnisse der lieben Nachwelt in einem Büchlein verzeichnet haben. Wohl ein mancher meiner Leser hat die Commentarios eines Julius Cäsar auf der Schule, oder daheim in Winterabenden die Lebensbeschreibung des mannhaften Ritters Götz von Berlichingen gelesen, und seine Gedanken dabei gehabt, wie derlei Männer aus großen Nöten und Gefahren unversehrt und gekrönt mit Ehren hervorgegangen sind.

Ein solcher Leser dürfte schwerlich eines Lächelns sich erwehren, daß auch ich, Udalricus Gast von Sommerhausen im Frankenland, mich unterfangen will, aufzuzeichnen mit Gottes Hilfe, was in dieser letzten betrübten Zeit sich mit mir begeben. Denn ein Cäsar bin ich nicht und auch kein Ritter, sondern nur ein armer Schuldiener, der die liebe Jugend Tag für Tag an die fünfzig Jahre lang in Gottes Wort unterwiesen schlecht und recht, und ist je mitunter meine saure Arbeit nicht vergeblich gewesen, so weiß ich unwürdiger Knecht recht wohl, daß nicht der da pflanzt und begießt, etwas ist, sondern nur der, welcher das Gedeihen gibt. Wunder aber erzählen von dem Gott, der da hilft, und dem Herrn Herrn, der vom Tode errettet, — das, lieber Leser, kann ich auch, und weil es eben ein so großes Werk ist, wenn er das Seufzen der Armen und Vergessenen hört, wie wenn er der Gewaltigen Wagen und Rosse zum Sieg führt, und weil der Vater im Himmel nicht bloß hört auf das Lied des stolzen Schwanes, wenn er’s anhebt, unter dem Schilfrohr des Sees zu sterben, sondern ja wohl auch das Schreien des Raben nicht verachtet in seinem verborgenen Nest, und nicht die Stimme des Sperlings, will ich auch mein Loblied nicht verhalten, und lauten soll es: