Johann Szücs war so erbittert, daß er sofort seiner Stelle als Oberrichter entsagte und, nachdem er sein steinernes Haus verkauft hatte, mit Georg Doma die Frauen holen ging. Herr Szücs gab zweihundert Dukaten für seine Rippe.
Georg Doma jedoch bot nur fünfundzwanzig Dukaten an, wenn man seine Frau nach Hause läßt, hundert, wenn man sie behält, aber für immer – so daß er eine andere Frau nehmen kann.
Zülfikar Aga überlegte eine Weile, dann sagte er traurig: »Nimm nur die Frau, mein Freund.«
Unterdessen bemächtigte sich der Kecskeméter ein panischer Schrecken. Auch die Kurutzen waren eingebrochen und raubten die jungfräuliche Tochter Vicza des steinreichen Thomas Bégh bei einer Hochzeit, als sie eben mit dem jüngeren Michael Nagy tanzte. Was wird daraus werden, Herr und Schöpfer? Aus den Häusern werden sie heute oder morgen die kostbaren Frauen hervorziehen!
Der Kalgaer Sultan ließ wiederholt verkünden, daß er auf die zehn schönsten Frauen rechne. Auch die Ofner Türken konnten in jeder Stunde kommen. Obwohl damals von den Kecskeméter Mädchen das Lied noch nicht verkündete: »Wer ein Bursch ist, nimmt seine Braut von da«, waren sie dennoch schon damals prächtig. Das leugneten selbst die Köröser jungen Leute nicht. Die allgemeine Verzweiflung war daher gar nicht zu verwundern. Die Lage war eine solche, wie in den sagenhaften, mit schwarzem Tuch verhüllten Städten, wo der siebenköpfige Drache die Jungfrauen der Reihe nach verzehrt. An welche kommt die Reihe, welche folgt jetzt? Diese Ungewißheit war ein unsichtbares Seil, welches jedermann in der Halsgegend fühlte. Zehnmal erschrak täglich der eine und der andere Kaufmann vor einer Staubwolke, und wenn die dürren Bäume des Talfája-Waldes des Nachts zu ächzen begannen, so glaubten sie auch darin das Sausen der herannahenden Horden zu vernehmen: »Ach, die Vagabunden kommen schon wieder.«
Allabendlich falteten die Frauen ihre kleinen Hände und flehten inbrünstig zu dem Patron der Stadt, dem Bischof Sankt Nikolaus. Vielleicht kann der etwas thun mit dem Krummstabe, welcher auf dem Stadtsiegel zu sehen ist.
(Ich vermute, daß in diesen Gebeten sub clausula enthalten war: »Wenn das aber der Wille Gottes wäre – so gieb, o Herr, daß lieber die Husaren Czudas kommen sollen, als die hundeköpfigen Tartaren und die Ofner Türken.«)
Zweites Kapitel.
Die Erbitterung wuchs immer mehr. Die Angelegenheiten der Stadt sahen immer schlechter aus. In der Rechtsprechung war eine Pause eingetreten, denn man konnte nirgends Richter auftreiben, obwohl in Kecskemét das »aufgetriebene Gericht« im Gebrauche stand. Man stellte aus den zum Markte gekommenen Fremden den Gerichtshof zusammen.
Jetzt aber, da Johann Szücs den Stab eines Oberrichters niederlegte, gab es keinen, der darnach griff. Es hat niemand Tollkirschen gegessen!