Dann erzählte er, daß der Vater blödsinnig sei. Kürzlich schickte der wackere Pater Bruno seinen Rock zu ihm, damit er die Fettflecke beseitige. Er beseitigte sie auch, aber so, daß er sie mit der Schere ausschnitt. Den armen Pater Bruno traf beinahe der Schlag.
Gyuri Pintyö, der Heiduck, brachte unterdessen atemlos den jungen Lestyák herein. Es war ein hübscher, schlanker Junge mit so dichtem Haar, wie eine Bürste.
»Mein Sohn,« sprach ihn Poroßnoki höflich an, »vorhin hat du etwas geschrien, was mein Ohr traf. Erkläre dich näher.«
Max Lestyák kam nicht in Verwirrung, er drechselte seine Worte klar und verständlich. »Ich habe in der That gedacht, wohledle Herren, daß unter den Verhältnissen, in denen sich unsere liebe Geburtsstadt befindet, die toten Fermans, die schriftlichen Versicherungen, nicht viel wert sind. Hundertmal mehr Wert hätte ein lebender Beg, der unter uns wohnend sehr viele kleine Unannehmlichkeiten von unseren Köpfen fern hielte. Wir sind eine freie Stadt, wohledle Herren, aber unsere Freiheit ist aus Ketten geschmiedet. Suchen wir einen Tyrannen, damit wir leben können!«
Die Senatoren blickten einander an, staunend, bezaubert. So schöne warme Worte hatten sie schon lange nicht gehört, eine so schöne, sonore Stimme war in diesem Saale noch nicht erklungen. Seit morgens sitzen sie hier, ohne Rat und siehe da, es war, als ob sich unerwartet eine Fackel im Dunkeln entzündet hätte.
»Vivat!« rief Mathé Pußta aus. »Das ist eine kluge Rede.«
»Er hat Recht!« sagte der greise Georg Pató, seine silberne Mentekette schüttelnd, »er hat reines Korn aus der Spreu gesondert.«
Gabriel Poroßnoki stand von seinem Sitze auf, ging auf Max Lestyák zu und klopfte ihm auf die Schulter. »Junge, du hast von nun an eine Stimme,« sagte er feierlich. »Setzen Sie sich zwischen uns, Herr Michael Lestyák.« (Gerade war am grünen Tische ein Sessel frei: derjenige des Johann Szücs.)
Die Begeisterung brach bei diesen Worten aus. Die Ungarn lieben die überraschenden Wendungen und das war eine. Die Stadtväter sprangen auf, um dem Jungen die Hand zu drücken. Selbst Christoph Agoston murmelte versöhnt zu Franz Kriston hingeneigt: »Wenn er nur nicht die Züge seines Vaters hätte! Sein Vater kam noch als Slovake in Sandalen nach Kecskemét.«
»Das sieht man dem Knaben gar nicht an.«