4. Die Schicksale Urashima’s sind urkundlich bestätigt. Die Zeit seiner Abwesenheit in der japanischen Chronik wird 477—825 n.Chr. angegeben, also 348 Jahre. In den Märchen, die verschiedenartig lauten, schwankt die Zeit zwischen 300 bis 7000 Jahre. Ich habe die mittlere Zeit gewählt, die in den neuesten japanischen Ausgaben auf 700 Jahre angegeben wird. Im Dorfe Kanagawa bei Yokohama werden heute noch das Grab und die Fischergeräte Urashima’s gezeigt. Urashima ist eine der beliebtesten Märchenfiguren Japans.
Verzierung
Wenn man mit
Kobolden tanzt!
In alter Zeit lebte einmal ein Landmann, der hatte auf der rechten Wange eine große Geschwulst, groß wie eine Birne. Als dieser Landmann eines Tages in den Wald ging um Reisig zu sammeln, wurde er von einem Gewitter überrascht und flüchtete in einen hohlen Baum, wo er Schutz vor dem Regen fand. Als das Gewitter endlich aufhörte, war es Nacht geworden und der Landmann konnte den Weg nach Hause nicht finden; deshalb blieb er in der Höhlung des Baumes sitzen und erwartete den Morgen.
Im Walde aber war es sehr einsam und schaurig und der Mann konnte vor Angst und Furcht nicht schlafen. Gegen Mitternacht hörte er plötzlich Stimmen und lautes Lachen. Verwundert streckte er den Kopf hervor und sah eine Anzahl Kobolde mit den sonderbarsten Gesichtern und in verschiedener Gestalt. Diese hatten gerade in der Nähe des Baumes, in dem der Landmann saß, Platz genommen und ergötzten sich am Trunk. Als sie genug getrunken hatten, begannen sie zu singen und zu tanzen. Der Landmann, der gern tanzte und ebenso gern einen guten Trunk Sake1 zu sich genommen hätte, konnte es in seinem Versteck nicht länger aushalten, denn die Lust der Kobolde wirkte auf ihn ansteckend.
Er kam also hervor und näherte sich den Tanzenden, die, als sie einen Menschen erblickten, erschraken und forteilen wollten. Er rief ihnen aber zu: „Bleibt nur da, ich will euch nur zeigen, wie man besser tanzt!“ Und gleich darauf begann er sich lustig im Tanze zu drehen.
Die Kobolde freuten sich über sein Tanzen und versuchten es ihm nachzumachen, auch gaben sie ihm zu essen und zu trinken.
War das eine Fröhlichkeit! Sie dauerte bis der Morgen graute.
Da sprachen die Kobolde: „Du hast uns durch deine Gesellschaft hocherfreut. Komme doch auch morgen nacht wieder!“
Der Landmann sagte dies zu; aber die Kobolde wollten ein Unterpfand haben, daß er auch sicherlich käme. „Weißt du“, sagten sie zu ihm, „wir werden zur Sicherheit deine Geschwulst nehmen, du kannst sie dann morgen wieder bekommen.“