„Nun laß es einmal genug sein des absonderlichen Spaßes; daß du werfen kannst, habe ich gesehen. Man sagt aber auch, daß ihr Affen so schöne Purzelbäume schlagen und am Schwanze hängend euch von Zweig zu Zweig schwingen könnt, das kannst du sicherlich nicht!“

„Was kann ich nicht, du dumme Krabbe? Ich kann keine Purzelbäume schlagen?“ schrie ganz empört der Affe. „Da schau her, du dummes Vieh!“ Dies sagend, hing er sich am Schwanze auf, schwang sich über verschiedene Zweige und machte die schönsten Bauchwellen an einem kräftigen, glatten Aste. Darauf nun hatte die Krabbe nur gewartet; denn beim Herabhängen und Schwingen waren natürlicherweise dem Affen die Früchte aus den Taschen gefallen und rollten am Boden dahin, wo sie die Krabbe schnell auflas und in ihr Häuschen in Sicherheit brachte.

Als der Affe mit seinen Turnkunststückchen fertig war und siegesbewußt der Krabbe einige Spottworte zurufen wollte, da merkte er, daß seine Taschen leer waren und sah, wie die Krabbe soeben die letzte Kaki auflas.

Voller Wut, sich überlistet zu sehen, war er mit einem Satze vom Baume, warf sich auf die Krabbe, prügelte sie windelweich und ließ sie halbtot liegen, dann machte er sich schleunigst davon. Die arme Krabbe aber schleppte sich, als der Affe verschwunden war, mühselig und unter großen Schmerzen zum Bache, wo sie ihre Wunden wusch und kühlte. Nun hatte aber die Krabbe eine Freundin, nämlich eine Wespe, die in einem alten, abgestorbenen Baume, der am Rande des Baches stand, wohnte. Diese sah, wie die Krabbe ihre Wunden wusch; sie flog herbei und fragte, was denn geschehen sei.

Die Krabbe erzählte ihr die Schandtat des Affen, worüber die Wespe sehr empört war und beschloß den Affen zu bestrafen; sie flog zu einigen anderen Freunden, erzählte denen die Geschichte weiter und hatte es endlich auch soweit gebracht, daß zwei derselben, nämlich ein Ei und ein großer, schwerer Reismörser sich mit ihr einig erklärten den Affen zu bestrafen. Zunächst aber mußte die Krabbe erst wieder gesund werden, weshalb die drei sie aufsuchten und in ihrem Leiden so vortrefflich verpflegten, daß sie bald wieder ganz hergestellt war bis auf eine kleine Lähmung im rechten Vorderbein.

Buntbild

Als nun die Krabbe wieder ausgehen konnte, wurde Kriegsrat gehalten. Die Krabbe, die gutmütig war und mit dem Aufhören der Schmerzen auch keine Rachegedanken mehr hatte, wollte jedoch von einer so strengen Bestrafung, wie das Töten des Affen, das die andern vorschlugen, nichts wissen. Schließlich einigte man sich dahin, daß, wenn der Affe um Verzeihung bitte und verspreche nichts Böses mehr gegen die Krabbe zu unternehmen, ihm verziehen werden solle; wenn nicht, müsse es ihm ans Leben gehen.

Die Wespe erhielt den Auftrag diesen Beschluß dem Affen zu verkünden und ihn aufzufordern, vor dem Hause der Krabbe zu erscheinen, um seine Entschuldigung vorzubringen. Sie flog, sum, sum, in den nicht zu weit entfernten Wald, wo der Affe wohnte, und hatte das Glück ihn anzutreffen. Mit lautem Summen flog sie durchs Fenster ins Zimmer, wo der Affe bei einem Fläschchen Sake3 hockte4.

„Was bringt ihr denn Gutes, Frau Wespe?“ fragte er.

„Gutes oder Böses, wie ihr es nehmen wollt!“ entgegnete die Wespe und richtete ihren Auftrag aus. Der Affe lachte: „Eure Drohung verlache ich, wie könnt ihr euch erdreisten mir mit dem Tode zu drohen, da müssen doch erst andre kommen als ihr winzigen Geschöpfe.“ „Seid nur nicht zu übermütig“, sagte die Wespe, „so klein wir sind, haben wir doch unsre Waffen!“