Ausnehmend reich an regulären Seeigeln, ferner an Holectypiden, Cassiduliden und Dysasterinen sind die Dogger- und Malm-Ablagerungen in Frankreich, England, Schweiz, Deutschland, in den Alpen und Nordafrika. Die untere Kreide desselben Gebietes zeigt keine durchgreifende Veränderung im Gesamtcharakter der Echinoideenfauna gegenüber der Juraformation; dagegen erhält die mittlere und obere Kreide in Europa, Nordafrika, Asien und Nordamerika durch das reichliche Vorkommen von Holasteriden und Spatangiden ein charakteristisches Gepräge.
Im Tertiär nehmen die Cidariden beträchtlich ab, die Holectypiden sind erloschen, die Clypeastriden und Spatangiden treten mehr und mehr in Vordergrund und allmählich tauchen in immer größerer Zahl noch lebende Gattungen auf. Tertiäre Seeigel sind über die ganze Erdoberfläche verbreitet; besonders reiche Fundstellen bieten die eocänen Nummulitenschichten in Europa, Nordafrika, Kleinasien und Indien.
In phylogenetischer Hinsicht dürfen die Perischoechiniden wohl als die Vorläufer und Ahnen der Regulares gelten, unter denen die Cidariden wieder den primitivsten und stabilsten Typus darstellen, während die Glyphostomata schon eine viel größere Umbildungsfähigkeit aufweisen.
Ob die irregulären Euechiniden von dem silurischen Cystocidaris oder von den regulären Euechinoideen abgeleitet werden dürfen, ist noch sehr zweifelhaft; jedenfalls stehen die mit Kiefergebiß versehenen Holectypiden den Regulares noch in vielfacher Hinsicht sehr nahe, und aus ihnen sind sicherlich durch Verlust des Kiefergebisses die Cassiduliden hervorgegangen, als deren weitere Ausbildung die Holasteriden und Spatangiden zu betrachten sind. Auch die Clypeastriden lassen sich wahrscheinlich als eigentümlich differenzierter Seitenzweig von den Holectypiden (Discoidea) ableiten.
Bemerkenswert sind die Parallelen von Ontogenie und Phylogenie in verschiedenen Abteilungen der Seeigel.
Zeitliche Verbreitung der Echinoidea.
| Si | Dev | Kar | Perm | Tri | Jura | Krei | Pal | Neo | Jet | ||||||
| I. Palechinoidea: | |||||||||||||||
| 1. Cystocidarida | |||||||||||||||
| 2. Bothriocidarida | |||||||||||||||
| 3. Perischoechinida | |||||||||||||||
| II. Euechinoidea: | |||||||||||||||
| 1. Regulares. | |||||||||||||||
| A. Holostomata: | |||||||||||||||
| 1. Cidaridae | ? | ||||||||||||||
| 2. Echinothuridae | |||||||||||||||
| B. Glyphostomata: | |||||||||||||||
| 1. Salenidae | |||||||||||||||
| 2. Diadematidae | |||||||||||||||
| 3. Echinidae | |||||||||||||||
| 2. Irregulares. | |||||||||||||||
| A. Gnathostomata: | |||||||||||||||
| 1. Holectypidae | |||||||||||||||
| 2. Conoclypeidae | |||||||||||||||
| 3. Clypeastridae | |||||||||||||||
| B. Atelostomata: | |||||||||||||||
| 1. Cassidulidae | |||||||||||||||
| 2. Holasteridae | |||||||||||||||
| 3. Spatangidae | |||||||||||||||
| Legende: Si = Silur; Dev = Devon; Kar = Karbon; Tri = Trias; Krei = Kreide; Pal = Paläogen; Neo = Neogen; Jet = Jetzt | |||||||||||||||
2. Klasse. Holothurioidea. Seegurken.
Die Holothurien entfernen sich durch ihre sackförmige Gestalt und den Mangel eines geschlossenen Hautskelettes weit von allen übrigen Echinodermen und sind zur Fossilisation sehr wenig geeignet. Nur die kleinen, isolierten, in der lederartigen Haut zerstreuten Kalkkörperchen haben sich hin und wieder unter besonders günstigen Umständen erhalten, gestatten aber meist keine generische Bestimmung. Vereinzelte Rädchen oder kreuzförmige Kalkkörperchen aus dem Kohlenkalk von England, aus dem Lias und Dogger von Lothringen, aus dem oberen Jura von Franken und aus der Kreide von Böhmen rühren wohl sicher von Holothurien her, lassen sich aber meist nicht näher bestimmen. Dagegen wurden von Schlumberger eine Anzahl mikroskopischer Kalkkörperchen aus dem eocänen Grobkalk von Paris beschrieben, welche mit ziemlicher Sicherheit auf die Gattungen Synapta, Chiridota und Myriotrochus zurückgeführt werden können.