Fig. 492.
A Elotherium, unterer M bunodont, B Hyrachyus, unterer M lophodont, C Anoplotherium, Außenhügel halbmondförmig. Innenhügel konisch. M3 mit drittem Halbmond.
Der »trituberkuläre« Zahn — »Trigon« im Oberkiefer, »Trigonid« im Unterkiefer — genügte zwar, so lange die Tiere geringe Körpergröße besaßen und sich hauptsächlich von Insekten nährten. Die allmähliche Zunahme der Körperdimensionen und die hiermit verbundene Anpassung an Fleischnahrung oder gemischte Kost erforderte jedoch eine weitere Verstärkung der Backenzähne, welche dadurch bewerkstelligt wurde, daß an den unteren Molaren ein zwei- oder dreispitziges »Talonid« als Antagonist der Hauptspitze des entsprechenden oberen Molaren entstand und an den oberen Molaren die beiden Außenspitzen sich vergrößerten und außerdem zwei kleine Zwischenspitzen sich bildeten, von welchen die hintere bei gemischter Kost öfter in einen zweiten Innenhöcker umgewandelt wurde; dieser zweite Innenhöcker erweist sich aber auch nicht selten als eine aus dem Basalband hervorgegangene Neubildung. Die einzelnen Bestandteile des fünf- resp. sechshöckerigen Zahnes führen folgende Namen:
| A. Obere trituberculäre Molaren. | |||||
| abgekürzt | |||||
| Vordere | Innenspitze | oder | Höcker | — Protoconus | — pr. |
| hintere | » | » | » | — Hypoconus | — hy. |
| vordere | Außenspitze | » | » | — Paraconus | — pa. |
| hintere | » | » | » | — Metaconus | — me. |
| vordere | Zwischenspitze | » | » | — Protoconulus | — pl. |
| hintere | » | » | » | — Metaconulus | — ml. |
| B. Untere tuberculärsektoriale Molaren. | |||||
| Vordere | Außenspitze | oder | Höcker | — Protoconid | — prd. |
| hintere | » | » | » | — Hypoconid | — hyd. |
| vordere | unpaare Spitze | » | » | — Paraconid | — pad. |
| hintere | » | » | » | — Mesoconid | — msd. |
| vordere | Innenspitze | » | » | — Metaconid | — med. |
| hintere | » | » | » | — Entoconid | — end. |
Die weitere Differenzierung äußert sich an den oberen Molaren in dem Auftreten von Außenpfeilern — Parastyl, Mesostyl, Metastyl — bei omnivorer oder herbivorer Lebensweise in Vergrößerung des Hypoconus und in Verschmelzung des vorderen Zwischenhöckers mit dem Protoconus (Fig. [493] A) quadrituberkulärer Zahn, oder es verbinden sich die Zwischenhöcker mit dem benachbarten Innenhöcker zu je einem Querjoch (Fig. [493] C) lophodonter Zahn. An den unteren Molaren verschwindet das Paraconid und alle Innen- und Außenhöcker werden gleich groß, wobei auch hier die Höcker sich paarweise zu Jochen verbinden können (Fig. [492] B). Am letzten unteren Molaren entsteht nicht selten ein dritter Lobus (Fig. [492] C). Durch Hinzutreten von Querjochen kommen polylophodonte Zähne (Fig. [495]) zustande. In ähnlicher Weise könnte man sich auch die multituberkulären Zähne (Fig. [494]) entstanden denken, allein sie treten bereits gleichzeitig mit dem Trituberkulär- und Trikonodontentypus auf, was sich mit der Ableitung von einem dieser beiden Typen nicht gut vereinbaren läßt. Bei den Fleischfressern hingegen verkümmern nach und nach die oberen sowie die beiden letzten unteren Molaren, desgleichen auch das Metaconid und Talonid des ersten unteren Molaren. Dafür wird jedoch Paraconid und Protoconid sowie der letzte obere Prämolar verstärkt und beide Zähne wirken zusammen als eine Schere.
Fig. 493.
Vier-, fünf- und sechshöckerige obere Molaren von unten. A Prodremotherium, B Anoplotherium, C Lophiotherium.