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Vorwort[III]
Einleitung: Zwei verschiedene Arten von geometrischen Bildern[1]
§ 1. Das perspektivische Bild[1]
§ 2. Der gerade Riß[6]
Der perspektivische Entwurf[13]
§ 3. Die Schnittmethode[13]
§ 4. Der Satz vom Fluchtpunkt[20]
§ 5. Andere Bestimmung eines perspektivischen Bildes[24]
§ 6. Darstellung eines möglichst einfach gelegenen Quadrates der Grundebene. Anwendungen dieser Konstruktion. Tiefenmaßstab[27]
§ 7. Darstellung beliebiger, geradliniger Figuren der Grundebene[33]
§ 8. Darstellung einfacher Körper, die sich auf der Grundebene erheben[41]
§ 9. Schiefe Linien im Raume[59]
§ 10. Der photographische Apparat[64]
§ 11. Die Wahl der Distanz[67]
§ 12. Unzugängliche Distanz und Fluchtpunkte[75]
§ 13. Gleichzeitige Anwendung der verschiedenen Methoden[86]
§ 14. Die Darstellung des Kreises[90]
§ 15. Einfache Schattenkonstruktionen[96]
§ 16. Künstlerische Freiheiten[99]
Literaturverzeichnis[102]
Sachregister[103]

Einleitung.
Zwei verschiedene Arten von geometrischen Bildern.

§ 1. Das perspektivische Bild.

1. Zweck einer Abbildung. Nehmen wir an, wir betrachten irgendein Raumobjekt, mag es nun eine Maschine oder ein Apparat sein, ein Werk der Plastik oder der Architektur oder auch eine Landschaft. Wenn wir dann über die gegenseitige Lage der einzelnen Teile des Objektes, über die relativen Größenverhältnisse und schließlich auch über die wirklichen Maße des Gegenstandes zu einem gewissen Urteil gelangt sind, so daß der Gegenstand uns klar zum Bewußtsein gekommen ist, so sagen wir, daß wir eine Vorstellung von dem Objekte haben. Der bloße Anblick von einer Stelle aus wird meistens gar nicht dazu ausreichen. Denn jedes Objekt verdeckt sich, wenn es nicht durchsichtig ist, zum Teil selbst: wir werden vielmehr im allgemeinen mehrere Ansichten brauchen. Bei kleineren Gegenständen genügen zu diesem Zwecke etwa schon Bewegungen des Kopfes oder Oberkörpers. Ausgedehnteren Objekten gegenüber, wie zum Beispiel bei einem Gebirgsstock, sind unter Umständen ganze Wanderungen nötig, um eine wirkliche Anschauung derselben zu gewinnen.

Bildliche Darstellungen irgendwelcher Art dienen nun in erster Linie dem Zwecke, dem Beschauer die Möglichkeit zu bieten, sich von den betreffenden Objekten eine Vorstellung zu bilden, ohne daß er sie wirklich vor Augen hat. Die Bilder ersetzen also bis zu einem gewissen Grade die Objekte.

Sicher muß unser Vorstellungsvermögen schon ziemlich ausgebildet sein, wenn wir uns auf Grund einer Zeichnung ein Objekt vorstellen können. Aber wir eignen uns diese Fähigkeit durch fortgesetzte Übung an, fast ohne es zu merken. Schon dem Kinde geben wir ein Bilderbuch in die Hand; es vergleicht die Gegenstände in der Natur mit denen im Bilde und lernt dadurch allmählich Sehen. So kommt es, daß heutzutage bei uns auch der Ungebildete und Ärmste imstande ist, sich ein Gebäude oder eine Landschaft einigermaßen vorzustellen, wenn er davon eine Abbildung, etwa eine Photographie, zu sehen bekommt.

Abb. 1.