Wittmann machte eine leichte Verbeugung. »Wir haben uns schon vorige Woche auf der Galatreppe gesehen, wenn ich nicht irre? Ich hielt Sie allerdings damals für ’ne Gräfin oder so was! Weil Sie so würdevoll an mir vorbeirauschten! Na, auf gute Kollegenschaft!«

Es sollte kameradschaftlich klingen, aber Martha hörte die unleugbare Arroganz heraus und ergriff nur zögernd die dargebotene Hand.

»Schade, daß Sie nicht in meinem Bureau sind!« flüsterte Wittmann dabei.

Und weiter ging’s, von Pult zu Pult.

»Fräulein Böhle, unsere neue Kollegin – Herr Benno Stehkragen!«

Martha lächelte, und Benno fühlte, daß dieses Lächeln seinem kuriosen Namen galt.

»Ich heiße Stehkragen,« sagte Benno, »und ich bin e Stehkragen. Ein Stehkragen, der in dieser schmutzigen Welt manchen Dreckfleck bekommen hat. Aber wenn ich emal tot bin – und ich komm in den Himmel – zu den Engeln und dem anderen Geflügel – dann wird der Stehkragen gewaschen, in purem Wolkenwasser – und geplättet und gestärkt – und vielleicht setzt der liebe Gott mich als Sternbild an den Himmel – und die Astronomen melden: Ein neues Sternbild entdeckt – in Form eines Stehkragens! Aber irgendwo is doch e winziges Schmutzfleckchen stehengeblieben – vielleicht taugt die himmlische Soda gradsowenig wie die irdische – und e junger Gelehrter guckt das Fleckchen durch sein Fernrohr – und hält’s für en Kanal oder ’n erloschenen Krater – und schreibt en Buch drüber – und wird dafür Professor der Astronomie! Und so is der bucklige Benno Stehkragen doch zu ebbes gut gewesen auf der Welt!«

Er schwieg.

So eine lange Rede hatte der schweigsame Benno Stehkragen noch nie gehalten.

Die Kollegen schauten verwundert auf, Wittmann grinste geringschätzig, und Martha blickte den sonderbaren Sprecher groß an.