»Meine Handschrift is es!« erklärte Benno, und es zuckte um seine Mundwinkel wie amüsiertes Lächeln.
»So! Also Ihre Handschrift ist es! Und Ihre Nachlässigkeit und Schlamperei ist es auch! Aber das geht nicht so weiter mit Ihnen! Ich hab’s satt! Satt hab’ ich’s!«
Gut, dachte sich Benno. Er hat’s satt. Mahlzeit!
»Genug hab’ ich von Ihnen! Noch heute spreche ich mit der Direktion. Beim nächsten Fehler werden Sie entlassen! Das gebe ich Ihnen schriftlich!«
Ich glaub’s auch mündlich, dachte sich Benno.
Und weiter dachte er sich: Weshalb schimpft er eigentlich so? Nun ja, er is die Primadonna von dem Couponbureau. Er muß seine Stimm’ üben. Und immer schreit er dasselbe. Er hat’n Grammophon verschluckt. Hinauswerfen? Mich? Schön! Fall’ ich auf die Füß’, so tut mir’s nicht weh; und fall’ ich auf den Buckel, so feder’ ich wie e Sprungfedermatratz’. Mein Gott, die Welt is groß, und überall in der Welt gibt’s Drehstühl’. Und auf jedem Drehstuhl braucht merr eine menschliche Maschin’, die ihr Leben um hundertachtzig Mark den Monat verkauft. Schön! Weshalb schmeißt er nicht?
Das alles dachte Benno nur. Das Reden war seine schwache Seite, und so flink er denken konnte, so schwerfällig sprach er.
Gerade weil er so behende dachte, so intensiv schlagfertig war, stolperte er beim Sprechen über seine eigenen Gedanken. Er war mißtrauisch gegen alle Menschen, die perfekt reden konnten, und wenn er beispielsweise einen Parlamentsbericht las, sagte er sich: Ein hochinteressanter männlicher Kaffeeklatsch. Gute Reden, schlechte Gesetze. Wie man nur so spaltenlange Überzeugungen haben kann! Ein Glück, daß der liebe Gott kein Abgeordneter is: er wär heut’ noch nicht mit den zehn Geboten fertig! Und der arme Moses hätt’ für die Gesetzestafeln ein ganzes Armeekorps Steinträger gebraucht!
Während Benno Stehkragen dachte, schimpfte Herr Wittmann weiter.
Benno wartete geduldig, bis ihm der Atem ausging, nickte zustimmend mit dem Kopf, watschelte an sein Pult zurück, tunkte seine Feder ein und schrieb weiter, als sei nichts geschehen.