Das Adelsprädikat »von« hatte der Zettel rücksichtsvoll unterdrückt.

Der Zwischenaktvorhang fiel, Benno erhob sich und ging nach Hause.

Seine Freude am Theater war zerstoben, die rohe Faust der Wirklichkeit hatte den Traumschleier zerrissen.

Er mied die hellen Hauptstraßen und schlich sich durch Seitengassen heimwärts.

Er übersann das Erlebte, er versuchte, sich die Szene im Foyer nochmals Zug für Zug zu vergegenwärtigen, und gab sich die größte Mühe, objektiv zu sein.

Ich will gerecht sein, ich will nicht nach dem Schein urteilen, mich nicht von einer Gefühlswallung bestechen lassen. Was hat sie eigentlich so Schlimmes verbrochen? Sie hat ihrem Chef zugelächelt, sich seine Höflichkeit gefallen lassen. Hätte das nicht auch jede andere Beamtin getan? Konnte sie überhaupt anders handeln? Durfte sie eine Gefälligkeit, auf die jede Dame Anspruch hat, mit einer Ungezogenheit erwidern?

Sein Verstand verteidigte Martha gegen die Anklagen seines Herzens. Aber seinen Verteidigungsreden wohnte keine Beweiskraft inne.

Er hatte das Faunlächeln Hermanns gesehen, dieses Lächeln lüsterner Eroberersicherheit, das ihm an Wittmann so zuwider war.

Sein Mißtrauen blieb wach, mochte er es noch so eifrig mit dem Schlafpulver der Objektivität einzuschläfern versuchen.

Zwar begleitete er noch immer Martha des Mittags von der Bank bis zum Uhrtürmchen, lief neben ihr her wie ein Hündchen, jedoch er war kein folgsames, willenloses Schoßhündchen mehr, er war ein kleiner lauernder Pinscher, der tückisch nach rechts und links schielte, jeden Augenblick bereit zu geifern und zu beißen.