Und er erinnerte sich daran, wie die Petroleumlampen waren durch
Gaslüster ersetzt worden, und später die Gaslüster durch große
Bogenlampen.

Immer heller war es um ihn geworden, immer herrlicher und größer, und er selber kam sich immer kleiner vor.

Er erinnerte sich auch der vielen Angestellten, die im Laufe der Jahre in das Geschäft eingetreten und wieder ausgetreten waren, teils freiwillig, teils unfreiwillig.

Da war der Herr Bernheim gewesen, der ihm immer nachmittags eines von seinen Butterbrötern zur Vesper geschenkt hatte: »Adolf, hastde Hunger? Komm her unn freß!« Und er hatte ihm eines Tags zur großen Heiterkeit des ganzen Personals erwidert: »Herr Bernheim, ich dank Ihne aach schee! Basse Se uff: wann Se emal in de Himmel komme, dann steht der Petrus drowwe unn hat de Mond als Pannekuche in der rechte Hand unn säggt: >Bernheim, du warst e guder Mensch, — komm her unn freß!«

Und er hatte nicht verstanden, was es da zu lachen gab.

Da war ferner der Herr Meier gewesen, dem er jeden Abend beim Geschäftsschluß den Rock hatte ausbürsten und die Stiefel blankreiben müssen; denn der Herr Meier hielt sich für sehr schön und lächelte auf der Straße den Mädchen zu, und wenn ihn ein Kollege fragte: »Herr Meier, wo waren Sie gestern abend?«, dann grinste er, daß die abstehenden Ohren wackelten, und flüsterte: »Geschäftsgeheimnis! Aber schön war's!«

Des Herrn Meier Spezialität war das Bedienen der jungen Mütter gewesen, die ihren Buben Schulanzüge kauften; auf die stürzte er zu und schwänzelte um sie herum und gebrauchte fünfzehnmal in einem Satz die Anrede »Gnädige Frau« und schwatzte ihnen die ältesten Anzüge auf. Und wenn sie wieder aus dem Geschäft draußen waren, sagte er stolz: »Adolf, haben Sie den Blick gesehen? Den Blick? Adolf, ich sag' Ihnen, wenn ich #wollt#', — aber ich will net!«

Und der alte Adolf Borges dachte sich, indem er den verkauften Ladenhüter einwickelte: »Merr sollt em aach als emal de #Schnawwel# mit erer Berscht abreiwe! Awwer mit erer #Drahtberscht#!«

Man sieht aus diesen Randglossen, daß Adolf Borges keineswegs ein Dummkopf war. O nein, er war ein kluges Männlein, aber seine Klugheit war schüchtern wie ein Tanzstundenjüngling; sie getraute sich nicht, die schöne Dame Lebensfreude zu engagieren, aus lauter Angst, ihr auf den Fuß zu treten, und so kam es, daß die schöne Dame Lebensfreude auch ihn nie engagierte, wenn die guten Feen gerade Damenwahl hatten.

Adolf Borges brachte es zu nichts auf der Welt und blieb Ausläufer bei Feldmann & Schröder in der Schloßstraße zu Offenbach am Main. Er schnürte Pakete und besorgte Gänge, er staubte die Pulte ab und reinigte die Tintenfässer. Und jedesmal, wenn er dem ekligen Kassierer das Tintenfaß auffüllte, machte er drei Kreuze darüber und bei jedem Kreuz murmelte er: »Hunnert Rechefehler solle drin sei, in dere schwarz Brieh!«