»Immer!« bestätigte der Alte. »Immer! Nor manchmal net! Manchmal is se noch schlimmer. Bis jedz hastde se nor Schottisch danze sehe, awwer baß emal uff, wann se erscht Galopp danzt! Da kannstde Dei blau Wunner erlewe! Des Rezept zu dem Danz hat se von ihrer selig Mudder geerbt, grad wie des Rezept zum Quetschekuche! Ich sag Derrsch, Adolf, des Lewe is e Gemeinheit! E groß Gemeinheit! Zeit wärsch, daß e neue Sintflut komme dhät, awwer #ohne# Arche Noah! Vier Woche sollt's nix als wie Schnaps regne, daß merr all drin versaufe, — des wär wenigstens e scheener Dod!«
Es entstand eine Pause, die Bindegerst dazu benutzte, seiner stillen
Geliebten zuzusprechen. Er genierte sich jetzt gar nicht mehr vor seinem
Schwiegersohn.
»Warum hastde merr dann des net frieher gesacht?« stöhnte Adolf.
Bindegerst lachte dröhnend. »Warum ich Derr des net frieher gesacht habb? — Guck Derr emal den ahle Schrank in der Eck aa! Des Schloß is kabutt, unn in der Rickwand is e Mordsriß, ich habb'n bloß e bissi zugebabbt. Wann jedz e Kundschaft käm unn wollt den Bawel kaafe, maanstde, ich wer' sage: »Lasse Se die Finger dervoo! Der Schrank is de Transbort net wert!« Maanstde, ich bin so meschugge? Naa, mei Liewer! Aapreise wer' ich'm de Schrank unn hunnert Jahr Garandie geww ich'm, dem Olwel! Unn so mach ich's mit #alle# Möwel, — aach mit de lewennige! Braach ich mit #fremde# Aage zu gucke? Ich guck mit meine eigne nix!«
Da fühlte Adolf Borges, daß er auch von seinem Schwiegervater verlassen war.
Das Herz krampfte sich ihm zusammen und er hatte ein bitteres Wort auf der Zunge.
Aber noch ehe er es aussprechen konnte, kreischte eine Stimme von oben:
»Macht, daß'r enuffkimmt! Der Kaffee is fertich!«
Es war Katharina, deren Ahnungsvermögen ihr gesagt hatte, daß sie es nicht zu einem Bündnis der beiden Männer kommen lassen dürfe, und daß es unklug sei, sie zu lange allein beisammen zu lassen.
Ein schweigsames Frühstück war es. Keines wollte ein Wort sprechen. Nur der alte Bindegerst bemerkte einmal zwischen zwei Schlucken Kaffee: »Im Odewald soll's frieher Hexe gewwe hawwe!«
Da warf ihm Katharina einen bitterbösen Blick zu. Erst kaute sie den
Bissen fertig, den sie im Mund hatte, dann erwiderte sie: »Unn in
Offebach, da gibbts sogar heut noch Rindviecher!«